Übersichtskarte

Bank's Peninsular und Christchurch, Neuseeland [02.-07.12.2012]

Sonntag, 10.02.2013

Um unsere nächste und vermeintlich letzte Station zu finden, haben wir als erstes einfach mal auf der Karte nachgeschaut, welcher Ort nicht so weit weg liegt von Christchurch und von der Topographie her interessant aussieht. Da ist uns direkt die Bank's Peninsular aufgefallen, eine kreisrunde vorgelagerte Halbinsel, die von Süden in Richtung Norden zur Hälte von einer Bucht eingeschnitten wird. Kurz im 'Lonely Planet' nachgelesen, was es dort so zu sehen gibt und schon war die Entscheidung getroffen und wir sind zur ''Hauptstadt'' dieser Region, Akaroa, gefahren. Das hört sich groß an, ist aber ein sehr niedliches, ansehnliches, kleines Städtchen, wenn auch sehr touristisch ausgerichtet. Aber dies hilft offensichtlich dabei, Gebäude zumindest äußerlich so zu erhalten wie sie schon immer - oder in diesem Fall seit den Zeiten der Besiedlung durch die Europäer - waren. Dieser kleine Ort ist das Frankreich Neuseelands, alle Straßennamen beginnen mit 'Rue' und man sieht immer wieder französische Flaggen im Wind wehen. Wie es dazu gekommen ist? Nun, fast wäre die gesamte Südinsel französisch geworden statt englisch. Denn sowohl Briten als auch Maori hatten ursprünglich kein großes Interesse an der Südinsel und so haben die Franzosen mit den Maori ein Abkommen geschlossen, dass er hier eine französische Siedlung gründen dürfe. Dazu musste er jedoch noch einmal nach Frankfreich zurücksegeln, um dort geeignete Siedler anzuheuern. Kurz vor deren Ankunft auf der Bank's Peninsular im Jahr 1840 bekamen die Briten dann doch Angst vor diesem Konkurrenten und sie besetzten die Bucht und die Insel und beriefen sich auf ihre ursprünglichen Verträge mit den Maori und so wurde auch die Südinsel Neuseelands britisch. Die Franzosen hätten also nur etwas früher ankommen müssen und es hätte alles anders kommen können... Geblieben sind die einmal losgezogenen Franzosen trotzdem, davon zeugt u.a. ein kleiner Friedhof ein Stückchen außerhalb des Ortes an einem Hügel gelegen, dessen frühesten Sterbe-Daten sehr zum Leidwesen der Siedler lediglich ein, zwei Jahre nach dem Datum ihrer Ankunft liegen. Das Dorf selbst hat jedoch durch den noch heute erhaltenen besonderen Charme eine Sonderposition im Tourismus Neuseelands bekommen.

1. Advent 2012, man beachte die Temperaturanzeige Advent, Advent, ein Lichtlein brennt! Blick auf die Bucht von Akaroa Akaroa-Impressionen Kunst aus Dingen, die wegmussten Auf dem Weg zum Campingplatz

In Akaroa angekommen haben wir uns erst einmal erkundigt, welche Campingmöglichkeiten es gibt und sind dabei auf das 'Onuku Farm Hostel' gestoßen, das ebenfalls eine Campingfläche anbietet. Traumhaft gelegen, unglaubliche Aussicht, etwas beschwerliche Anfahrt und sehr nette Angestellte (inklusive Hausschaf) - dort angekommen war die Entscheidung getroffen! Hier wollten wir die verbleibenden vier Tage verbringen. Entstanden ist dieses Hostel vor ca. 30 Jahren aus einer Schaffarm heraus. Da es den Farmer 15 $ kostete, ein Lamm aufzuziehen, er aber nur 5 $ dafür bekam, gab er die Landwirtschaft auf, verpachtete die Wiesen und machte ein Hostel auf. Das sehr rustikal anmutende aber äußerst einladend wirkende und toll in die Landschaft integrierte Anwesen wurde stetig ausgebaut und bietet einen Campingplatz nur für Zelte und eine weite, freie Wiese für Camping-Busse. Zuletzt wurde das Angebot für die Gäste noch durch Boots- und Kanuausflüge erweitert.  Außerdem gibt es eine 2-4 tägige Wanderung um die Halbinsel herum, welche nur bis zu 12 Leute pro Tag durchführen dürfen, da der Weg komplett auf Privatbesitz liegt - zum Teil auch von dieser Farm. Wer die kostenpflichtige Wanderung macht, kann u.a. hier übernachten und die übrigen Campinggäste dürfen den Teil umsonst erwandern, der auf dem Farm-eigenen Gebiet liegt. Wir haben unsere Tage hauptsächlich damit verbracht, durch Akaroa zu schlendern, die Gegend ein bisschen zu erkunden und die Aussicht zu genießen, aber an unserem letzten Tag haben wir dann die Möglichkeit wahrgenommen, diesen Teil des Peninsular-Tracks zu erwandern. Erst ging es relativ steil hinauf, mitten durch die Schafwiesen und belohnt wurde man mit spektakulären Ausblicken und der Möglichkeit über einige Felsen zu kraxeln und im böigen Wind fast weggepustet zu werden. Und dann ging es im Zickzack hinab und weiter durch immer neue Weiden mit ziemlich schreckhaften Schafen. Getroffen haben wir auf unserem Weg ganze 4 Leute und ansonsten waren wir für geschlagene 4 Stunden alleine auf diesem Weg. Eine traumhafte Idylle! Wie es der Zufall will, haben wir den heißesten Tag hierfür erwischt und so reichte das Wasser gerade mal für die Hälfte des Weges - da waren wir dann doch ziemlich froh, als wir wieder im Camp eintrafen. Und hier hieß es dann packen, da wir leider schon am nächsten Tag unseren Camper in Christchurch wieder abgeben mussten. Aber wir hatten zum Abschluss einen der schönsten und intensivsten Tage in Neuseeland.

Onuku-Farmhostel (hinteres Gebäude)Hostel Hütte mit Aussicht - leider nicht unsere Ist ja auch ein bisschen eng... Am Weidezaun  Sonnenuntergangslektüre Das HausschafMein Boot. Blauer Pinguin - selten und so scheu, dass wir nur dieses Exemplar zu Gesicht bekommen haben :(Auf zum Peninsular Track-Teilstück Offenes Gatter - so hätten wir uns das öfter gewünscht! Der kürzeste Weg zurück...den haben wir nicht genommen! On the rocks Kletterpartie geschafft... Windig war's! Eine traumhafte Aussicht als Belohnung! Grillen? Janne nimmt die Verfolgung auf Der Gegner stellt sich Auch zum Grillen geeignet Zurück am Campingplatz Klar Schiff machen und Koffer packen  

Auf dem Weg nach Christchurch haben wir dann noch etwas erlebt, womit wir eigentlich schon früher gerechnet hätten: wir sind mit unserem Kleinbus inmitten einer Schafherde gelandet, welche über die Straße getrieben wurde. ''Klugerweise'' hatten die Besitzer ein Auto mit Fernlicht an den Straßenrand gestellt, welches die ankommenden Autofahrer dermaßen blendete, dass man ein zwischen den Scheinwerfern aufgehängtes Schild mit dem Hinweis auf Viehtrieb zunächst überhaupt nicht lesen konnte. Wir haben also erstmal fast gar nichts mehr gesehen und dann als nächstes die Schafe! Zum Glück immerhin rechtzeitig! Danach konnten wir dann auch schlussfolgern was auf dem Warnschild stand. Eine recht eigenwillige Art auf solch eine Gefahrenssituation aufmerksam zu machen, hoffentlich ist das nicht die gängige Praxis in diesem Land, Warnblinklicht hätte wohl seinen Zweck eher erfüllt... Glücklich ob dieses glimpflich verlaufenen klassischen Neuseeland-Erlebnisses konnten wir unser treues Gefährt am späten vormittag nach insgesamt 4153 km quer durch Neuseeland unversehrt wieder zurückgeben. Jaaa, es ist tatsächlich nichts mehr passiert! Auch die uns umzingelnden Schafe hatten dank des sie umhüllenden flauschigen Schutzmantels an unserem Auto keine nennenswerten Schäden hinterlassen. Nach einem Abstecher über den Flughafen (mehr dazu später...) sind wir dann für eine Nacht in Christchurch im YMCA untergekommen.

Da kommt die Invasion

Christchurch ist in den letzten Jahren ob seiner Erdbeben gleich mehrmals in den Medien gewesen. Das letzte Erdbeben ereignete sich im Februar 2011 und hat immense Zerstörung angerichtet. Das gesamte Stadtzentrum um die Hauptsehenswürdigkeit, die Kathedrale (Christ Church Cathedral), ist als sogenannte 'Red Zone' von hohen Bauzäunen abgesperrt ebenso wie weitere Gebäudekomplexe und teilweise auch ganze Häuser-Blocks. Bei einigen kann man direkt die entstandenen Schäden sehen, weil ganze Wände und Dächer fehlen und große Steinmengen um die Gebäude verteilt herumliegen. Gerade bei den alten Häusern sieht es schlimm aus, wenn allein schon die historisch kunstvolle Fassade und die steinernen Giebel-Aufbauten zerstört wurden. Bei anderen sieht man die Schäden von außen nicht, aber wenn man durch die Fenster schaut, hängen Deckenverkleidungen und Kabel wirr herab und die Zwischenwände sind eingebrochen. Es hat sich auch sehr schwer gestaltet in der Innenstadt etwas zu Essen zu finden, da wir mehr als einmal froh zu einem Restaurant/Bistro gegangen sehen, weil der Name sich gut anhörte - um dann beim Näherkommen festzustellen, dass es den Laden nicht mehr gibt. Die gesamte Einrichtung steht neben Salzstreuern und Getränken im Kühlschrank genau so da, wie sie damals quasi über Nacht verlassen wurden. Nur mit einer dicken Staubschicht auf allem. Uns wurde auch berichtet, dass ganze Wohnviertel aufgegeben wurden und man durch zum Teil noch eingerichtete Häuser gehen kann. Das ist wirklich gruselig und man fühlt sich in die Zombie-Filme zurückversetzt, die Hollywood so aufwendig inszeniert. Man kann das Gefühl gar nicht beschreiben, das man hier bekommt - vor allem, wenn man bedenkt, dass das Ganze nun 2 Jahre her ist und man doch davon ausgeht, dass Neuseeland ein westliches Land ist. Man rechnet irgendwie damit überall die Hämmer und Bohrer zu hören, aber das ist leider nicht so. Natürlich wird wieder aufgebaut und man arbeitet auch daran, den Tourismus wieder in die Stadt zu holen. Aber wenn es -wie so oft- um viel Geld und hohe Auftragssummen geht, beginnt das Seilziehen zwischen Politik und Wirtschaft und jeder will so viel wie möglich für sich herausholen. Und die Einwohner leiden darunter, weil keine Entscheidungen gefällt werden und so steht immer noch nicht fest, ob die Gegend um die Kathedrale wieder aufgebaut oder neugebaut wird. Und der Tourismus spielt nun mal nach wie vor eine große Rolle in Neuseeland. Wir hatten zuvor einen irischen Schreiner getroffen, der beim Wiederaufbau helfen wollte - keine Chance, es gibt nichts zu tun.

In Mitleidenschaft gezogene Kirche Kulturzentrum - der Turm vorm Gebäude gehört eigentlich oben drauf Hier wurde eindeutig nicht renoviert Schutzengel im Abflug? Retten was zu retten ist Endstation Verlassen und kurz vorm Abriss

Kleine Anreize werden aber zum Glück geschaffen, wie die 'Re-Start Mall', einem kleinen Einkaufszentrum, welches aus geschickt aufeinandergestapelten Schiffscontainern besteht, in vielen Farben und mit modernen Schriftzügen gestaltetet. Das ist eine schöne Idee und viele kleine Läden und Boutiquen finden sich nun in dieser Container-Mall wieder. Ansonsten gibt es leider nur wenige geöffnete Bistros, Cafés und Restaurants und wir haben wirklich lange gesucht, bis wir einen gemütlichen Irish Pub gefunden haben. Man kann aber auch nicht pauschal sagen, dass sich ein Besuch in Christchurch nicht lohnt. Klar, die urprünglichen Sehenswürdigkeiten (Kathedrale, Straßenbahn etc.) gibt es in dem Sinne momentan nicht (mehr), aber es ist durchaus nachhaltig beeindruckend diese Zerstörung zu sehen, mit der die Natur dem Menschen innerhalb von Sekunden einen Strich durch die Rechnung machen kann. Da fragt man sich doch, ob der Mensch sich nicht manchmal zu arrogant und kurzsichtig über Naturgegebenheiten hinwegsetzt und man erkennt, dass sich einige Dinge, siehe Machtspiele, wohl nie ändern werden. Eine positive Nachricht gibt es für die Stadt jedoch: der 'Lonely Planet' hat Christchurch unter die Top Ten der sehenswertesten Städte für 2013 gewählt. Diese Entscheidung können wir dann doch (noch) nicht ganz nachvollziehen, aber es wird der Stadt hoffentlich einen neuen Aufschwung geben!

Re-Start Mall Weihnachtsflair im Containermarkt

Für uns ging es nach diesem letzten Erlebnis auf zu neuen Ufern...wohin genau lest ihr beim nächsten Mal!

Impressionen

Sonntag, 10.02.2013

Waschmaschinen: Wir haben es schon lange vermutet, aber in Motueka hatten wir schließlich Gewissheit. In Neuseeland ticken nicht nur die Uhren anders (immerhin 12 Stunden Unterschied zu Deutschland) sondern auch die Waschmaschinen funktionieren hier nach einem ganz eigenen Prinzip: sie waschen wohl tatsächlich allesamt kalt! Um eine Warmwäsche zu bekommen, muss man extern aufgewärmes Wasser zuführen. Alle uns bekannten Maschinen waren jedenfalls technisch nicht fähig das Wasser selbstständig aufzuheizen. Kaum zu glauben! Warum und wieso baut man sowas?? Ist das die neuseeländische Art der Heißstabverkalkung vorzubeugen? Dafür gibt es doch Calgon! Wir haben es jedenfalls nicht rausgefunden...

Gatter zu Privatgrundstücken: Wir hätten uns irgendwie ein wenig öfter Wanderungen wie an unserem letzten Tag in Akaroa gewünscht, aber selbst hier waren wir auf eingezäuntem privatem Land unterwegs, dessen Betreten streng reguliert wurde. Was wir eigentlich als typisch neuseeländisch erwartet hätten, wurde zumindest uns leider nur sehr selten gegönnt: querfeldein durch die Landschaft wandern so weit man kommt. Vielleicht lag es auch an uns oder es war einfach nur Pech, aber wir haben einige Male versucht, mal abseits der Hauptstraßen einen Abstecher ins Grüne zu starten. Sowohl mit dem Auto als auch zu Fuß sind wir leider jedesmal nicht besonders weit gekommen. Denn ein den Feldweg überspannendes Gatter versperrte den Weg. Da war kein Weiterkommen. All zu häufig waren es einfach Privatgrundstücke, die dem Besucher die Weiterfahrt oder dem Wanderer die Erkundung per Pedes verwährten. Da war der dahergelaufene Passant anscheinend dann doch unerwünscht. Vielleicht auch verständlicherweise. Wir haben jedenfalls Verständnis dafür, dass sich Bauern oder private Landbesitzer vor rumschnüffelnden Touristen schützen. Aber dieses Land lebt nunmal auch davon, dass es von vermeintlich ''Fremden'' erkundet wird und die Menge an privatem, unzugänglichem Land - und sei es bewirtschafteter Forst - erschien uns irgendwie ein wenig hoch. Vielleicht erscheint es einem auch nur so, weil man es in Deutschland anders gewohnt ist. Hier kann man fast überall zwischen den Feldern hindurchfahren oder zumindest gehen und auch die meisten Wälder sind der Öffentichkeit nicht versperrt. Das bleibt auch hoffentlich noch lange so!

'Ihr kommt hier nicht rein!' - Leider ein häufiger Anblick

Schmuckwerk an den Zäunen: Wo die Neuseeländer kreativ sind, ist die Verzierung der besagten Maschendrahtzäune und Gatter, die die Wiesen, Felder und Grundstücke eingrenzen. Wir haben diverse Zäune gesehen, voll behangen mit Fahrrädern oder Flip-Flops, Auto-Kennzeichen und sogar abgezogenen Kalbs-Häuten. Ob dies zur Belustigung der vorrüberreisenden Menschen oder eher zur Abschreckung diente, blieb uns unbekannt.

Wascheimer vom Holländer: darauf hätten wir ja auch mal selber kommen können. An unseren letzen Tagen in Neuseeland haben wir ein cleveres Holländer-Pärchen (soll es ja geben ;-)) getroffen, das uns seine selbstgebaute mobile Waschmaschine vorstellte. Diese bestand einzig und allein aus einem großen stabilen Eimer und einem darauf befindlichem wasserdicht abschließenden Deckel. Nun wurde der Eimer nur noch gut zur Hälfte mit Wasser gefüllt, Wäsche rein, Waschmittel dazu und los geht's! Das ist quasi die perfekte Waschmaschine für Low-Budget Camper-Reisende. Die Wäsche erledigt sich während der Fahrt quasi von selbst! Man benötigt keine zusätzliche Engergie, je länger und kurviger die Straßen, desto besser wird die Wäsche eingeweicht und geschrubbt. Man kann damit wahrscheinlich sogar warm waschen -  selbst in Neuseeland. Ein sonniger Tag und das Auto auf einem Parkplatz mal nicht in den Schatten stellen: voila! Nach ein paar Stunden am nächsten Ziel angekommen muss man die Wäsche dann nur noch zum Trocknen aufhängen...

Kahlschlag der Monokultur-Wälder: Wir haben auf Neuseelands Nordinsel und auch im Norden der Südinsel ganze Landschaften und Bergkuppen kahl von Bäumen gesehen. Aber nicht natürlicherweise denn zum Teil stand noch alle paar Meter ein ca. halben Meter dicker Baumstumpf. Diese standen dicht an dicht in Reih und Glied, an anderen Stellen waren die Stümpfe samt des riesigen Wurzelballens bereits aus der Erde gerissen. Dabei mussten schwerste Maschinen und Fahrzeuge zum Einsatz gekommen sein, so weit man gucken konnte, sah es einfach nur verwüstet aus. Wie von Panzern durchflügt. Auf dem Boden war außer der in Hügeln aufgeworfene nackten Erde und eben der kreuz und quer liegen Wurzelstrünke nichts zu sehen. Kein schöner Anblick. Das erinnerte uns doch sehr stark an die abgewirtschafteten Palmöl-Plantagen in Malaysia, wo die abgestorbenen braungrauen Palmenstämme standen oder lagen und auf diesen Flächen zunächst einmal gar nichts mehr wuchs. Auch die Bäume hier in Neuseeland wurden einst eigens dafür gepflanzt um später irgendwann gerodet zu werden und einen bestimmten Ertrag zu bringen. Aber dennoch trauten wir unseren Augen kaum, da diese so etwas in Deutschland schon lange nicht mehr gesehen hatten. Solch einen Monokultur-Wald, der eines Tages komplett ''platt'' gemacht wird ist ist zwar wirtschaftlich sinnvoll, aber doch nicht mehr ganz up to date, oder? Auch im weiteren Verlauf unserer Reise fiel uns immer wieder auf, wie riesige noch existierende Waldflächen aus einzig und allein ein und derselben meist Nadelbaumsorte in exakt derselben Größe und damit demselben Alter bestanden. Einer neben dem anderen im genau festgelegten Abstand. Das sah, solange es alles grün war, nicht schön weil langweilig aber noch o.k. aus. Wie es einmal aussehen würde, konnten wir uns ja nun gut vorstellen und war an mancher Stelle einfach nur Schade und eine Irritation für das Harmonie liebende Auge.

 

Kleiner Exkurs:

Wir versuchen ja - soweit es uns überhaupt möglich ist - generell immer sehr objektiv von den erlebten Geschehnissen und Momentaufnahmen zu berichten. Aber wie das Wort 'Impression' schon sagt, sind vor allem die Erfahrungen dieser Kategorie immer an einen subjektiven Eindruck gebunden. Vielleicht waren wir manchmal auch nur zur richtigen Zeit am falschen Ort oder aber es sind uns gerade eben mal diese Dinge aufgefallen, die anders waren als wir es kennen oder erwartet haben. Dennoch entscheidet man - manchmal auch spontan - darüber zu berichten, da sonst vielleicht nie mehr darüber berichtet wird, weil es im nächsten Moment schon wieder alles ganz anders sein kann. Oder es fühlen sich Menschen, die es lesen, ermutigt uns zu bestätigen oder von einer ganz anderen Erfahrung zu erzählen. Dass Neuseeland von einer atemberaubenden Natur gesegnet ist eine vielleicht unvergleichliche Landschaft besitzt ist zweifelsohne von vielen Menschen bestätigt worden und davon zeugen auch unsere Foto-Aufnahmen. Aber man kann sich ja nicht in dem einen Land über evtl. vorherrschende Missstände oder eigenartige Vorgehensweisen ''beschweren'' und andere Länder davon verschonen. Außerdem sind unsere 'Impressionen' vor allem dazu da, solche für uns unkonventionell wirkende Geschehnisse oder vielleicht auch Ausnahmeerscheinungen festzuhalten.

Roadtrip Nelson Lakes-Arthurs Pass, Neuseeland [27.11.-02.12.2012]

Freitag, 11.01.2013

Nach 7 Nächten haben wir dann aber auch von Motueka und der Kiwi-Idylle im Vineyard Abschied genommen und sind weiter auf unserem Weg Richtung Süden gefahren. Durch eine unheimlich tolle Landschaft (hmm, also irgendwie ist fast alles wunderschön, malerisch und traumhaft hier auf der Südinsel, gewöhnt euch dran ;)) sind wir dann einer weiteren Kurvenstrecke entlang des Motueka Rivers gefolgt bevor es einen kleinen Abstecher zu einem der Nelson Lakes gab. Berge, gelb blühende Büsche überall und ein allgemein sehr felsiges Erscheinungsbild mit Wildwasserromantik kann man hier entlang der langen, steilen Täler genießen. Noch spektakulärer wird die Strecke entlang des Buller Rivers, welchem man durch den Zufluss von vielen kleinen Flüsse beim Wachsen zuschauen kann. Immer wieder Stromschnellen, 180°-Kurven und schließlich der Durchfluss durch eine tiefe Schlucht sind einfach erfrischend anzusehen. Gepaart mit einigen One-Way-Brücken und -Streckenteilen (einmal kann man nicht mal sehen, ob vielleicht nicht schon jemand entgegenkommt!) ist es der Highway 6 definitiv wert durchfahren zu werden!

Entlang des Motueka Rivers Am Wegesrand Kiwi-Alarm - die Wahrscheinlichkeit des Überfahrens ist aber sehr gering Nelson Lakes Buller River Neuseelands Eigen(artige)-Gewächse Buller Gorge (Schlucht) Schöne Sammlung am Highway 6 One-Way-Straße

An der Küste angekommen lohnt sich ein Abstecher zum Cape Foulwind nahe der Stadt Westport. Erhalten hat es seinen Namen von Captain James Cook, welcher hier während seiner Entdeckungsreise vor Anker ging. Da ein Sturm ihm die Nachtruhe jedoch streitig machte, erhielt das Cape kurzum diesen undankbaren Namen. Davon sollte man sich jedoch nicht abschrecken lassen, denn man kann vom Leuchtturm aus einen ca. 3-stündigen Spaziergang zu einer Seelöwen-Kolonie und zurück machen. Die malerische und zugleich schroffe Küstenlinie würde jedem Rosamunde Pilcher Film gut zu Gesicht stehen und auch hier steht man vor der Frage, welches Motiv denn am fotogensten ist - und geht dann mit dutzenden Fotos nach Hause. Die Nacht haben wir nicht besonders weit von hier auf dem Campingplatz von ''Jack's Gasthof'' verbracht. Die Besitzer sind Deutsche, die hier überraschenderweise eine kleine, unscheinbare Pizzeria mit angeschlossener Jägermeister-Kneipe irgendwo im Nirgendwo betreiben. Merkwürdigerweise hört der Mann auf den Namen Jack. Warum das so ist konnten wir allerdings nicht herausfinden. Das war schon eine bizarre Mischung, da außerdem deutsches Brot und Kuchen angeboten wurden, jedoch leider zu doppelt und dreifach höheren Preisen. Vielleicht sogar zu Recht, das können wir leider nicht beurteilen. Aber immerhin haben wir es geschafft eine Pizza zu probieren und die war es zusammen mit der einzigartigen Lage des Platzes trotz Sandflies durchaus wert, noch bis zum Mittag dort zu bleiben!

Cape Foulwind Far far away from home Seelöwen-Suchbild Küstenlinie Steilküste Bei Jack's Gasthof Wolfsspuren? Pizza bei Jack

Wir sind dann erst einmal nicht weit gekommen, sondern einfach an einem kleinen Fluss an einer der nächsten kleinen Seitenstraße wieder abgebogen und haben es nicht bereut! Plötzlich waren wir am Meer und gelangten an einen kleinen Strand der stellenweise aus hellem Sand, großflächig jedoch aus in riesigen Wellen angehäufte dicken, runden Kieselsteinen bestand. Überall glitzerte und blinkte es und wir waren hin- und hergerissen, welche Steine wohl so besonders sind, dass sie es vielleicht wert wären, mit nach Hause geschleppt zu werden. Aber bei der Entnahme einzelner Steine merkten wir schnell, dass der Zauber des faszinierenden Anblicks dieses Steinemeeres aus der Komposition der unzähligen einzelnen Steine bestand. Und am Ende der kleinen Bucht wartete bereits ein weiteres Schauspiel, wo das Meer auf die windungeschützte Seite der Küste traf. Dort gab es einen unerwarteten Vorgeschmack auf die berühmten 'Pancake Rocks', die, wie ihr Name schon sagt, wie ein Haufen flacher aufeinandergestapelter Pfannkuchen aussehen. An diesem Strand gab es ähnliche Formationen von flach übereinanderliegenden Gesteinsschichten, die sich im Laufe der Erdgeschichte gebildet hatten und dann durch starke Erosion in einer ganz speziellen Art und Weise wieder freigelegt wurden. Der kleine aber feine Unterschied war, dass man die vor uns liegenden betreten konnte, da sich hier anscheinend kaum ein Tourist hin verirrte. Dank eines nicht zu verachtenden Windes konnten wir von einer Anhöhe aus ein wunderschönes Spiel der Wellen beobachten, die an der Küste mit tosender Kraft anlandeten, sodass das Wasser hoch in die Luft schoss und über den Fels hinwegbrach. Über eine winzige aber massive Brücke konnten wir sogar noch direkt zum für eine Art Seeschwalben zum Rastquartier umfunktionierten abgelegenen Felsbrocken gehen, welcher dank seiner Bewohner ziemlich weiß eingfärbt war! Wir hielten uns dort jedoch nicht lange auf, da die Vögelgemeinschaft von unserem Besuch nicht sehr angetan war - wir waren wohl nicht eingeladen. Nach diesem schönen Intermezzo ging es dann weiter zu den ''richtigen'' Pancake Rocks, deren Besuch leider etwas kurz ausfiel, weil es in Strömen zu regnen anfing. Fantastisch sind die Formationen trotzdem und das berühmte 'Blow-Hole' mit seiner sprühenden Gischt zieht seit jeher Alt und Jung magisch an. Aber leider scheint das Meer mit stetiger Kraft seinen Tribut zu fordern und so brechen hier anscheinend immer mehr Stücke ab. Also schnell auf nach Neuseeland!

''Private Pancakes'' Die Vögelkolonie Der Steinstrand Wie die Pinguine bloß immer die Schilder lesen können...? Die Original 'Pancake-Rocks' Blow-Hole

Als nächstes großes Ziel stand der Franz-Josef-Gletscher auf unserer Erkundungstour an, ein täglich um ca. einen halben Meter ''weiterfließendes'' Exemplar. Wir haben uns gegen einen luxuriösen Hubschrauber-Überflug und auch gegen die angebotenen Führungen direkt auf dem Gletscher entschieden und sind stattdessen auf unseren eigenen zwei Beinen so nahe an das Gletschertor herangelaufen wie man eben darf (bis auf ca. 300 m). Dort kann man sehen, wie das Eis sich durch die Schlucht zwängt (auch wenn man innerhalb der Aufenthaltsdauer keine große Veränderung sieht) und in wässeriger Form durch einen Fluss zum Meer fließt. Die Landschaft ist karg und man wird etwas an einen Endzeit-Film erinnert mit all dem Schutt, der hier herumliegt. Trotzdem -oder eher deswegen!- durchaus sehenswert und mal eine ganz neue Seite Neuseelands. Der riesige Gletscher ist übrigens von einem deutschen Entdecker 1865 nach dem damaligen österreichischen Monarchen Franz Joseph I. benannt worden.

Die nostalgische Turmuhr in Hokitika Auf dem Weg zum Franz-Josef-Gletscher Seine Hoheit höchstpersönlich und im Vordergrund Christian Nochmal Franz-Josef Janne-Suchspiel Kuh-Rettungsaktion Abendstimmung

Nach diesem Besuch der neuseeländischen Alpen standen wir jetzt vor einer Entscheidung: Fahren wir noch weiter in Richtung Süden, an den Milford Sounds vorbei und durch einen bestimmt auch wunderschönen weiteren Teil des Landes? Oder führen wir einen gemäßigten aber viel weniger erschöpfenden dafür viel mehr ausschöpfenden Reisestil fort und bleiben lieber die letzten Tage unserer Mietwagenzeit an einem einzigen Ort? Leicht gefallen ist die Entscheidung natürlich nicht, aber letztendlich wollten wir einen ruhigen Abschluss unserer Reise hier haben und später noch die Idylle rund um einen auserwählten Ort mit all seinem schroffen Charme über mehrere Tage hinweg genießen. Somit stand aber erstmal noch die Durchquerung der Insel in Ost-West-Richtung über den Arthur's Pass an, dessen gleichnamige Siedlung die höchstgelegenste Neuseelands ist. Dort haben wir bei ziemlich kühlen Temperaturen eine kleine Wanderung unternommen. Außerdem haben wir auf dem Weg viele schneebedeckte Kuppen, weite Steppen und ein paar Keas (ein nur in Neuseeland beheimateter Bergpapagei) gesehen. In dieser grenzenlos erscheinenden Bergwelt haben wir das erste Mal so richtig das 'Herr-der-Ringe'-Gefühl bekommen und das obwohl in dieser Gegend für den Kinofilm gar nicht gedreht wurde! Aber genauso hatten wir es uns vorgestellt - diese einsame Weite Neuseelands! Leider war es so hoch gelegen doch zu kalt für eine Übernachtung. Also fuhren wir weiter und nachdem wir ein paar Höhenmeter verloren hatten, haben wir nahe des Örtchens Springfield (mit einem überdimensionalem Homer-Simpson Gedenk-Donut!) die Nacht verbracht bevor es zu unserer vermutlich vorerst letzten Etappe in Neuseeland weiterging!

Richtung Arthur's Pass Brücke mit Aussicht Zwei gefräßige Keas Wasserfall bei Arthur's Pass Den können wir nun wirklich nicht mehr überfahren. Das hier war das letzte nicht mehr lebende Exemplar Homer Simpson Gedächtnis-Donut Das waren wir nicht. Das auch nicht. Aber schönes Kennzeichen!

Roadtrip Marlborough Sounds - Abel Tasman Nationalpark, Neuseeland [19-27.11.2012]

Samstag, 29.12.2012

Bei unserer Überfahrt auf die Südinsel hatten wir wirklich Glück mit dem Wetter und konnten bei herrlichstem Sonnenschein die Aussicht genießen. Die Fahrt auf dem offenen Meer ist gar nicht so lang und ziemlich bald fährt man schon in die zerklüfteten Marlbourough Sounds ein, eine Fjord-Landschaft wie man sie sich in Norwegen vorstellt und dazu ringsherum blaugrünes, kristallklares Wasser. So konnten wir hier das vermeintlich öde Pflichtprogramm mit dem Angenehmen verbinden, nämlich das bloße Übersetzen und eine wirklich tolle Schifffahrt. Die riesige Fähre schlängelte sich regelrecht um die Felsen und hinter jeder Biegung eröffnete sich ein neues umwerfendes Panorama auf eine Berg-und-Meer-Symphonie. Man weiß gar nicht wo man die Kamera zuerst hinrichten soll! Nur die immer wieder auftauchenden kahlgeschlagenen Berghänge haben das Auge des Betrachters in dieser grünen Landschaft ein wenig irritiert - dies war uns leider auch schon auf der Nordinsel aufgefallen, geschuldet der ausgeprägten Holz-Industrie Neuseelands. Nach ca. 3 1/2 Stunden sind wir dann in Picton eingelaufen, neben Christchurch das 2. Tor zur Südinsel. Allerdings ist die Bucht an dieser Stelle so schmal, dass die Fähre gerade so ''auf dem Teller'' wenden kann. Während der Sommermonate erwacht die winzige Hafenstadt mit wenig Industrie zum Leben, wenn die gebündelten Touristenscharen von hier aus in das Abenteuer Süden oder aber auch nach Norden starten.

Einfahrt mit der Fähre in die Marlborough Sounds Fjord-Landschaft Wendemanöver vor Picton

Wir sind allerdings nicht lange in der Stadt geblieben, sondern haben direkt den extrem kurvenreichen und malerischen Weg in Richtung Westen eingeschlagen. Auch hier setzt sich das Muster aus Bergen und Meer weiter fort, sodass es eigentlich ganz gut ist, dass man nicht so schnell fahren kann. Bald darauf haben wir dann auch an einem der staatlichen Campingplätze halt gemacht, wo wir den Rest des Tages damit verbracht haben, in der Sonne zu liegen und den nahen Fluss zu erkunden. Hier konnten wir dann auch gleich unsere ersten Erfahrungen mit den gefürchteten Sandflies, den Sandfliegen, machen. Es handelt sich hierbei um sehr kleine Fliegen, die bevorzugt auf den nackten Beinen und Füßen Platz nehmen um dort etwas Blut zu saugen. Den Biss selbst merkt man gar nicht, aber etwas später treten dann die Mückenstich-ähnlichen Folgen zu Tage und man kann gut 2 Wochen lang die Auswirkungen spüren: extremer Juckreiz, gerötete Pickelchen und lange währende dunkle Verfärbungen an der Stelle des Bisses. Nicht zu empfehlen!

Zwischenübernachtung mit Sandflies

Nichtsdestotrotz haben wir uns entschieden, dass es endlich Zeit für unsere schon lange geplante, aber leider aufgrund der fehlenden Einrichtungen (mal keine Dusche, mal keine Küche, mal Sandflies) nicht durchführbaren längeren Rast ist. Und den passenden Platz dafür haben wir dann in Motueka gefunden, einer der Ausgangsstädte für Ausflüge in den Abel Tasman Nationalpark im Norden der Südinsel. Hier sind wir bei Irene auf ihrem kleinen 'Vineyard Tourist Park' untergekommen. Wein wird hier zwar nicht mehr angebaut, aber direkt angrenzend an die Stellplätze befinden sich einige Felder voller Kiwis vor einer traumhaften Bergkulisse in der Ferne. Es gibt hier nur das alte, leider nicht mehr ganz ursprüngliche Haupthaus, ein paar kleine Wohnkabinen und eine handvoll Plätze für Camper. Dazu einen Haufen Hühner und eine gut ausgestattete Küche - was wir später zwar nicht direkt aber immerhin indirekt miteinander kombinieren konnten: zweimal überreichte uns Irene eine handvoll frischeste, ja sogar noch warme Eier gratis, die wir uns zum Frühstück schmecken ließen! Außerdem gab es hier noch gewisse andere Vorzüge wie Zitronen und Grapefruits direkt vom Baum neben unserem Auto und Kiwi's hätte es wohl auch en masse gegeben, wenn nur schon welche dran gewesen wären. Alles inklusive und das ganze zu einem unschlagbar guten Preis! Dazu kam dann noch traumhaftes Sommerwetter mit Sonne ohne Ende, sodass wir es hier sehr gut eine Woche lang aushalten konnten! Die Tage sind wie im Fluge vergangen und wir haben sie hauptsächlich mit Sonne tanken, dem Ausnutzen der guten Küchenlage (es gab Kuchen, Burger etc.) und kleinen Spaziergängen und Ausflügen in der Gegend verbracht, z. B. zum Split Apple Rock. Hauptsache nicht so viel Auto fahren!

Unser Platz an der Sonne (mit Zitronenbaum) Aussicht über die Kiwi-Felder Irene und die Hühner Ein (eigenartiges) Huhn Noch warm! Frühstück! Kiwi-Blüte Pünktlich zur Blüte kamen auch die Bienen! Felder hinterm Vineyard Weihnachtsdeko in der Nachbarschaft Natürliche Deko in der neuseeländischen Vorweihnachtszeit Split-Apple-Rock Höhlenforscher beim Split-Apple-Rock Ausflug in Richtung Golden Bay Blick über das Takaka-Valley vom gleichnamigen Berg - die Golden Bay im Hintergrund

Auf dem Programm stand allerdings auch eine große Wanderung in dem sehr beliebten Abel Tasman Park. Hier kann man einen der 9 'Great Walks' unternehmen, die in ganz Neuseeland verteilt in den schönsten Nationalparks liegen. Der Abel Tasman Coastal Walk ist zum Beispiel 51 km lang und es werden 3-5 Tage für die gesamte Strecke empfohlen. Entlang des Weges gibt es einige Möglichkeiten zu campen und damit das Angebot nicht überansprucht wird, muss man vorher eine Erlaubnis käuflich erwerben. Wenn in den Sommermonaten extrem viele Touristen unterwegs sind, muss man sich rechtzeitig um eine solche Erlaubnis kümmern, ansonsten geht man leer aus. Da wir keine komplette Campingausrüstung bestehend aus Zelt, dicken Schlafsäcken, Kocher und Wanderrucksäcken dabei hatten, haben wir uns entschieden, zwei kleinere Tagesetappen an einem Tag zu erwandern.

Mit dem Auto kommt man nicht in den Park und so haben wir uns Plätze in einer der Wassertaxen gebucht und haben uns morgens in Richtung Norden zur Barks Bay bringen lassen. Insgesamt haben wir uns 21 km der Strecke vorgenommen, die zunächst am wohl schönsten Abschnitt - so sagt man - von der Barks Bay zur Torrent Bay entlangführt. Dies ist zumindest der Teil, an dem dank Wassertaxen die meisten Besucher unterwegs sind und das konnten sogar wir in der (fast noch) Nebensaison merken! Verständlich ist es aber definitiv, ist der Ausblick hier über weiße Strände, türkisblaues Wasser und dichten Regenwald auf einer hügeligen Landschaft einfach traumhaft! Wir hatten sogar Glück und haben während unserer ''Taxifahrt'' ein paar der 'Dusky Dolphins' zu Gesicht bekommen, die uns ein Teil des Weges begleitet haben. Diese sind eigentlich nur in den Marlborough Sounds heimisch und es kommt wohl extrem selten vor, dass man sie hier zu Gesicht bekommt! Unser Timing war sehr gut, sodass wir von einer (einkalkulierten) Abkürzung des Weges Gebrauch machen konnten: durch die besagte 'Torrent Bay' kann man nämlich jeweils 2 Stunden vor und nach dem Tiefststand des Wassers hindurchlaufen, sodass man gut 2 km Strecke einspart! Gut, wir waren ja eigentlich nicht zum ''Strecke einsparen'' losgewandert, aber abgesehen davon tut es unheimlich gut, mit den warm gelaufenen Füßen durch den kühlen Schlick und kleine Priele zu laufen! Auf diesem Teil des Weges sind uns dann auch weniger Menschen entgegen gekommen, und man konnte das vorübergehende Dahinschlendern in der breiten Bucht noch mehr genießen. Nach Durchquerung der Bay wurde der Weg wieder recht schmal und verläuft auf und ab in halber Höhe zwischen Meer und Hügelkuppen und alle paar Kilometer gibt es dann einen Abzweig hinunter an die schönsten Strände. Nach insgesamt 7 Stunden sind wir dann wieder bei unserem Auto angekommen, das wir beim Wassertaxi haben stehen lassen, ca. 1 km vom Park entfernt. Kaputt aber glücklich ob dieser wunderschönen Wanderung!

Ausgesetzt in der Barks Bay, Abel Tasman Nationalpark Hängebrücken-Action Durchquerung der Torrent Bay bei Ebbe Schöne Aussicht Silver Fern

Roadtrip Auckland - Wellington, Neuseeland [12.-19.11.2012]

Mittwoch, 19.12.2012

Mit unserem mittlerweile dritten Camper in Neuseeland (7. Modell insgesamt, obwohl wir nur 3 Mal ein Fahrzeug gemietet haben) konnten wir uns jetzt endlich auf den Weg in Richtung Süden machen. Es ist doch ziemlich anstrengend so einen bereits ''eingelebten'' Camper ein- und auszuräumen (und nichts zu vergessen!) und dann die ganze Abnahme für das neue Fahrzeug zu machen während es schon dunkel wurde. Wie wir auch bald merkten, wurde uns diesmal ein defektes 'Land'-Anschlusskabel ''untergejubelt'', was man innerhalb der Kleinstadt in der wir uns mittlerweile befanden angeblich weder reparieren noch ersetzen konnte. Da wir uns sicher waren, dass der Fehler in der Steckerverbindung lag, musste Christian mit äußerst spartanischer Werkzeug-Ausstattung versuchen, dies wieder hinzubekommen. Was man eben so dabei hat, auf einer längeren Reise: ein Taschenmesser mit Schraubenzieher soll's wohl richten. Was zum Glück auch recht schnell gelang. Danach wollten wir dann erst nochmal alles in Ruhe checken und einrichten und den neuen Camper so richtig bewohnbar machen. Welcher Ort würde dafür besser passen als einer, der Matata heißt (wir haben uns gleich an König-der-Löwen erinnert gefühlt...Hakuna Matata!) und in dem es eigentlich so gar nichts zu tun gibt außer am Strand entlanglaufen? Die Entscheidung war bereits getroffen! Auf dem Weg nach Matata standen allerdings erst noch unsere ersten Kiwi-Plantagen inklusive der Kiwi360 auf dem Sightseeing Programm (mehr dazu in den Impressionen!). War allerdings leider zu dieser Jahreszeit noch nichts pflückbares dabei :-) In Matata selber gab es außer eines spontanen Self-Made-Haarschnitts für Christian und einer noch spontaneren beinahe vollständigen Sonnenfinsternis - es hat tatsächlich kaum jemand registriert - keine erwähnenswerte Vorkommnisse!

Empfang in Matata (oder Loch Ness?) Was denn nu? Morgens im Friseursalon Sonnenfinsternis (den Finsternis-Teil muss man sich denken)

Zu unserem nächsten Ziel musste man eigentlich immer nur der Nase nach. Rotorua ist das Zentrum geothermischer Aktivitäten Neuseelands - zumindest was bezahlbare Attraktionen wie Geysire und heiße Quellen angeht - und das kann man riechen: der Geruch nach faulen Eiern wird dank des austretenden Schwefels immer stärker wahrnehmbar je näher man der Stadt kommt. Da wir beide ja nicht so die Riesen-Fans von eingezäunten Naturattraktionen sind (unsere Reisekasse im übrigen auch nicht), haben wir alle Touristenschilder mal links liegen lassen und das auf den Plan genommen, was man umsonst erleben kann. Dort ist man erstaunlicherweise auch ziemlich alleine! Die erste Station war an einem großen schönen Kratersee, dem Lake Tarawera, der bestimmt bei Sonnenschein nochmal sehr viel schöner ist, aber auch bei trüber Sicht einen echt tollen Anblick bot. Danach stand der Stadtpark Rotoruas auf dem Plan. Denn auch dort gibt es kleine Schlammtümpel, heiße Bäche und kleine Seen, welche durch diverse Gase teilweise eigenartigste Verfärbungen aufweisen. Alles eine Nummer kleiner, aber das Naturphänomen an sich ist und bleibt nun mal die Hauptattraktion. Überall dampft, raucht und blubbert es. Da fühlten wir uns an ein am Ortseingang installiertes Schild erinnert: Hell's Gate - überall kleine Höllen-Tore! Andererseits war es auch irgendwie wie bei Poldi aus 'Hallo Spencer' :-)

Lake Tarawera 'Bei Poldi' Ursuppe Poldis Nachbarn Rotoruas Tor zur Hölle

Hiernach wollten wir die Stadt eigentlich schon hinter uns lassen und nur noch einen Stop am Kerosene Creek machen. Hört sich fies an, ist aber wirklich wundersam! Die Abbiegung ist recht schnell zu übersehen, wenn man nicht drauf achtet, da die Einwohner die großen Schilder wohl immer wieder abbauen, um wenigstens ein Naturwunder noch mehr oder weniger für sich zu haben. Als erstes kommt man an einem großen dampfenden See vor einer ebenfalls qualmenden Bergkulisse vorbei um dann auf einer Schotterstraße durch eine Art Heidelandschaft zu fahren. Am Ende der Straße kommt man zu einem kleinen heißen Fluss, in dem man wunderbar baden kann. Zumindest theoretisch! Denn Christian hat sich vor Ort am scharfkantigen Dachüberstand einer massiven Holz-Hütte leider so doll den Kopf gestoßen, dass wir lieber wieder zurück in die Stadt gefahren sind um wahlweise bei Arzt oder Apotheker nachzufragen, ob mit fachmännischer Raffinesse etwas repariert werden muss. Zu fortschreitender Stunde war leider nur noch das Krankenhaus kurzfristig erreichbar. Dort wurden wir jedoch auf Grund zu erwartender hoher Kosten und ewiger Wartezeiten an ein privates Medical-Center verwiesen. Nachdem sie dann dort pauschal vorab 140 $ und ebenfalls viel Geduld zum Warten einforderten, musste dann doch die Einschätzung der Apothekerin von nebenan herhalten. Und so haben wir dann zusammen beschlossen, dass mit einer sorgfältigen Wundreinigung und ein wenig Geduld alles wunderbar von alleine heilen wird. Folglich durfte Janne einmal Krankenschwester spielen (mit Pinzette und Tupfer) und musste beim Anblick des rinnenden Blutes kurzzeitig selbst auf der campereigenen Krankenliege flachliegen. Danach kehrte dann wieder etwas Farbe in ihr Gesicht zurück und letztendlich konnten beide Patienten gerettet werden - soviel ist überliefert - und es waren auch keine bleibenden Schäden feststellbar ;-)

Auf dem Weg zum Kerosene Creek

Nach Rotorua folgt dann die nächste geothermisch geprägte Stadt: Taupo, die am gleichnamigen Kratersee liegt. Aus diesem entspringt auch der längste Fluss der Nordinsel, der Waikato. Diesem kann man auf dem Weg nach Taupo schon ein Stück lang folgen und sich am Aratiatia-Staudamm anschauen, wie der Fluss im Namen des Energiehungers aufgestaut wird. 3-4 Mal täglich werden die Schleusentore geöffnet und vom Aussichtspunkt aus kann man dann erahnen wie der Fluss hier einst ungestaut durchs Tal getobt ist. Weiter in Richtung Taupo folgt noch eine touristisch interessante canyonartige Flussenge wo das eisblaue Wasser des Flusses nur so dahinsprudelt und schließlich in einem rauschenden Wasserfall hinabstürzt, die Huka-Falls. Ein kleines Stückchen weiter haben wir unsere Nacht auf ''Reid's Farm'' verbracht. Dabei handelt es sich nicht um eine aktive Farm sondern um einen kostenlosen Campingplatz direkt am Fluss in einer einfach wunderschönen Lage! Die sanitäre Ausstattung besteht aus einer handvoll Plumpsklos und bei wärmeren Temperaturen kann man dann direkt aus dem Camper in den Fluss springen. Wie wir allerdings feststellen konnten, ist es wohl etwas sinnvoller diesen Platz nicht am Wochenende aufzusuchen, da zu diesem Zeitpunkt die ortsnahe Dorfjugend Ausgang hat und sich hier versammelt um Party zu machen! Unsere Nachtruhe hat es zum Glück nicht groß gestört, auch wenn wir kurz von dem Polizeiauto irritiert waren, das zwischenzeitig mal eine Kontroll-Runde über den Platz gezogen hat!

Aratiata-Staudamm öffnet seine Schleusen Stromschnellen vor den Huka-Falls

Von Taupo selbst hat man wirklich einen schönen Blick über den Kratersee und den dahinter liegenden Vulkan und die Stadt ist wirklich nett für einen kleinen Bummel. Am nächsten Tag hatten wir aber leider Pech mit dem Wetter und so konnte man dank Wolken und Regen von der umgebenden Berglandschaft gar nichts mehr sehen. Von den auf unserer Strecke in Richtung Süden folgenden Vulkanen (bekannt aus Kino, Funk und Fernsehen, weil Hauptdarsteller in 'Der Herr der Ringe' und in den Abendnachrichten im November 2012) haben wir leider auch nichts sehen können. Übrigens erfolgte der Ausbruchs des Mount Tongariro nur 2 Tage nachdem wir ihn passiert hatten! Der Anblick des Vulkantrios im Tongariro Nationalpark soll jedoch sehr schön sein und man kann dort auch einige Wanderungen unternehmen. Da das Wetter allerdings so schlecht war und wir uns entschieden hatten am nächsten Tag die Fähre in Richtung Südinsel zu nehmen, ging es für uns direkt weiter nach Wellington. Somit sind wir ganz ereignislos auf der Desert Road - ja, der Name sagt es schon - durch eine karge Steppenlandschaft gefahren, von der man in jeder Richtung nur ca. 50 m weit schauen konnte.

Wellington ist die Haupstadt von Neuseeland, hat jedoch weniger als 500.000 Einwohner. Das vermeintlich umfangreiche Theater und Kultur-Programm der Stadt konnten wir auf Grund der frühen Fährfahrt am nächsten morgen leider nicht auskosten und auch "Der kleine Hobbit" sollte ein paar Tage später in einer 2-Wochen-Vor-Premiere leider nur für einen erlauchten Kreis uraufgeführt werden. Also haben wir uns für den obligatorischen Spaziergang entschieden, der dem kleinen Zentrum dieser Hafenstadt wohl auch gerecht wurde. Etwas Zeit hat es dann allerdings noch in Anspruch genommen, bis wir nahe des Hafens einen Platz für die Nacht gefunden hatten, da hier einfach unverschämt hohe Preise von den Campingplätzen gefordert werden, was wohl der Nähe zur einzigen Fährverbindung zwischen Nord- und Süd-Insel des Landes geschuldet ist. Wir haben dann die Nacht auf einem Parkplatz neben einer öffentlichen Toilette verbracht. Immerhin hatten wir einen Panoramablick über das Wasser hinweg auf Wellington und dank der Toilette um die Ecke konnte sich auch keiner beschweren, dass wir hier nicht stehen dürften! Nach einer kurzen Nacht ging es bei bestem Sonnenwetter somit weiter in unser nächstes Abenteuer, die Erkundung der Südinsel Neuseelands!

Kurzer Zwischenstop am Otaki Beach Wellington Neuseeländer sind übrigens Rugby-verrückt No comment Abschied von der Nordinsel

Impressionen: 

Die Kiwi: Wir haben uns immer schon gefragt, was hat es eigentlich mit den Kiwis und Neuseeland auf sich? Und warum sieht man in deutschen Supermärkten eigentlich nur neuseeländische Kiwis? Dazu gibt es hier ein paar interessante Fakten!

Die Frucht an sich kommt eigentlich aus China. Dort war sie als 'Affenpfirsich' bekannt, weil sie reif war, wenn die Affen sie gegessen haben. Zu dem Zeitpunkt war sie allerdings noch klein wie eine Weintraube und wegen ihrer pelzigen Schale wurde sie 'chinesische Stachelbeere' getauft, als sie nach Neuseeland eingeführt wurde. Doch war diese den Neuseeländern etwas zu klein für die Mühe an das Fruchtfleisch zu kommen und so haben sie sie auf die heute bekannte Größe gezüchtet und in den 50er Jahren mit dem Export in alle Welt begonnen.

Die Firma Zespri (den meisten Kiwi-Freunden ein Begriff) hat später als weitere Züchtung die gelbe Kiwi auf den Markt gebracht und unter dem Namen 'Zespri Gold' patentieren lassen. 2004 mussten in Italien deswegen mehrere Kiwi-Plantagen abgeholzt werden und weltweit mussten diverse Gerichte sich darum kümmern, dass die 'goldene' Variante aus Vermarktungsrechts-Gründen nicht angebaut wird. Der Name Zespri ist ebenso geschützt. Solange der Name Kiwi und nicht Zespri benutzt wird, darf die grüne Frucht jedoch noch angebaut und vermarktet werden, was aber nur wenige Länder wie die Türkei, Chile, Kanada und Italien machen. Der Grund dafür ist, dass die Frucht nur in gemäßigten Breiten wächst und allgemein etwas empfindlich ist. Neuseeland ist und bleibt aber der Kiwi-Champion und die 'Kiwi Gold' wird wohl noch ein paar Jahre lang erst einmal nur von hier kommen!

Das Hauptanbaugebiet Neuseelands liegt übrigens an der Bay of Plenty auf der Nordinsel, wo die Kiwi ein wirklich beeindruckendes Denkmal bekommen hat, die überdimensionale Kiwi 360° (s. Fotos).

Gold Version

So, und dann gibt es noch DEN Kiwi, den lustigen, scheuen, kleinen, flugunfähigen Vogel, der neben dem Silberfarn und den unzähligen Schafen des Landes als das Nationalsymbol bezeichnet werden kann. Und zu guter letzt natürlich die Einwohner Neuseeland selbst, die ebenfalls 'Kiwis' gerufen werden. Aber dazu vielleicht später mehr...

Roadtrip Far North, Neuseeland [06.-12.11.2012]

Sonntag, 02.12.2012

Unsere Neuseeland-Expedition haben wir im hohen Norden (Far North) begonnen, der mit einer sehr abwechslungsreichen Landschaft, vielen fast unwirklichen Orten und wunderschönen (staatlichen) Campingplätzen mitten in der Natur aufwartet. Man beginnt - von Auckland kommend - in einer wunderbar hügeligen Region, die fast an Süddeutschland erinnert, und kommt zwischendurch immer wieder an die Küste, die mit schön klarem Wasser, mitunter steilen Felswänden, unterschiedlichen Gesteinen und hellen Sandstränden begeistert. Wir haben in Whananaki eine das Dorf teilende Bucht überquert, über eine stegartige Fußgängerbrücke aus Holz. Die längste der Südhalbkugel wie man hier sagt. Dies konnten wir auch nicht widerlegen. Die bisher schönste Pipi-Pause unserer Reise hatten wir in Kawakawa wo eine Hundertwasser-Toilette steht. Angeblich Friedensreich Hundertwasser's einziges Werk in der südlichen Hemisphere, da es das erste dort und leider auch sein letztes zu Lebzeiten vollendetes überhaupt gewesen sein sollte. Aber trotzdem schon lustig mal in Realität zu benutzen, was man einige Jahre zuvor in der Schule im Kunstunterricht analysiert hat.

Wilde Entenfamilie auf der Suche nach einem See am Meer (bei Whananaki North) Der Kleine auf dem Abenteuerspielplatz Die längste Fußgängerbrücke der Südhalbkugel zwischen Whananaki North und -South Hundertwasser-Toilette und S-Bahn :) Da haben die Bauarbeiter viel gesoffen :)

Richtig interessant wird es dann am obersten Zipfel des Landes, wo man nach links und rechts der Landstraße nur wenige Minuten zu wirklich herrlichen Meeresstränden benötigt, man in der Mitte aber durch grünes Land fährt. An der obersten Spitze dieser Landzunge, Cape Reinga, befindet sich ein Leuchtturm, von wo aus man beobachten kann, wie das Tasmanische Meer und der Pazifische Ozean aufeinandertreffen. Als wir dort waren war das Meer vergleichsweise ruhig und trotzdem (oder vielleicht gerade deswegen) konnte man die Verwirbelungen des Meeres gut erkennen, wo die beiden Strömungen sich miteinander vereinigen. Etwas weiter südlich kann man ein wirklich sehenswertes und begeisterndes Extrem erleben: die Sanddünen von Te Paki. Inmitten üppig grüner Landschaft und gleich neben der Tasmanischen See befinden sich hier unheimlich hohe Dünen aus feinstem Sand. Man muss sogar zunächst durch einen kleinen Bach hindurchwaten, um dorthin zu kommen. Doch gleich dahinter geht es steil die Düne hinauf. Und wenn man sich dann hinaufgekämpft hat, denkt man, dass man inmitten einer kilometerweiten reinen Sandwüste steht. Jedes Geräusch wird hier vom Sand und dem Wind geschluckt und hinter einer Verwehung tauchen auf einmal zu Stein gewordene Formationen oder ganze Muschelbänke und andere Schätze auf, die einem fast wie aus einer anderen Welt vorkommen. Wie diese auf den zig Meter hohen Sandbergen entstanden sind, kann man nur erahnen, ebenso wo diese Unmengen von Sand bloß herkommen. Wenn man dann irgendwann ganz oben auf dem höchsten Punkt der Dünen angekommen ist, sieht man zu allen Seiten über den Sand hinweg das blaue Meer und üppig grüne Wälder und man fragt sich was wohl als nächstes von wem ''verschluckt'' wird. Und dann kommt es einem so vor als würde irgendwann alles im Sand versinken!

Auf dem Trockenen (zumindest von unten!) Blick bei der Mittagspause Campingplatz Idylle Bringt es Glück unter dem Regenbogen zu stehen? Mordor?! Ein Ring ihn zu knechten... Aussicht vom Cape Reinga Cape Reinga Aufeinandertreffen von Tasmanischem Meer und Pazifischen Ozean Cape Reinga Sanddüne voraus! Der Aufstieg Geschafft! Wie schwerelos... Man beachte den kleinen Punkt (Menschen) in der Ferne Muschelbänke mitten in der ''Wüste'' Sandformationen

Auf dem Weg 'gen Süden folgten viele kleine niedliche Orte, eine Fährfahrt über einen zerklüfteten Fjord (auch wenn man sich auf Grund der Kulisse vorkommt wie an einem Bergsee in Süddeutschland) und ein lustiger Besuch eines kleinen Labyrinths bevor wir bei den mächtigen Kauribäumen ankamen. Früher war der gesamte Norden der Insel mit riesigen Wäldern dieser Bäume bedeckt, bevor die Bestände vom menschlichen Bedürfnis nach Holz stark dezimiert wurden. Heute ist der verbliebene Wald geschützt und man kann die mächtigsten und ältesten Exemplare besichtigen. Einer dieser Bäume ist sogar an die 2000 Jahre alt - ''stell dir vor, Jesus hätte an diesem Baum schon vorbeigelaufen sein können'' war Christians Kommentar dazu. Aber das ist wohl eher unwahrscheinlich, überliefert ist das jedenfalls nicht. Auf den Fotos ist der Maßstab sicher etwas schlecht zu erkennen, aber man müsste bestimmt 6 Leute mit ausgestreckten Armen im Kreis aufstellen, um einmal um den Baum herumzukommen.

Campingplatz vorsichtshalber noch bei Niedrigwasser verlassen! Kurz vor der Fähre Bergsee-Feeling Kauri-Baum God of the Forest Markenzeichen Neuseelands: der Farn Sportlicher Snack auf dem Court

Wir hatten eine wirklich wunderschöne Zeit hier oben und hatten eigentlich geplant, weiter in Richtung Süden nur an Auckland vorbeizufahren, aber irgendwie schien unser ''Glück'' mit Mietwagen anzuhalten und die Scheibenwischer funktionierten auf einmal nicht mehr. Da das in Neuseeland natürlich zu einem Problem werden kann, beschlossen wir kurz bei der Mietwagenfirma anzuhalten um das schnell zu beheben. Liegt ja quasi auf dem Weg und wird schon nichts gravierendes sein! Das wurde leider nicht so kurz, da auch die ausgetauschten Sicherungen immer wieder durchbrannten und so mussten wir nach ewiger Suche nach einem Ersatzfahrzeug den Camper tauschen. Der neue hatte von Anfang an so ein paar kleine Macken, mit denen wir aber leben konnten, und so ging es nach ein paar Stunden also weiter. Bis nach nicht mal 100 km die Stoßdämpfer anfingen, komische Geräusche von sich zu geben. Weil es aber bereits so spät war, hatten wir beschlossen, erst einmal abzuwarten.

Am nächsten Tag sind wir dann zum Hot Water Beach, auf der Coromandel Peninsula, weitergefahren, da kein unwillkommener Laut mehr an unsere Ohren drang. Am Hot Water Beach gibt es tatsächlich heißes Wasser - wir konnten es erst nicht glauben - und zwar wirklich 'hot'! Neuseeland ist stark geothermisch geprägt und man findet einige aktive und nicht-aktive Vulkane und dementsprechend auch viele heiße Quellen. Das besondere an diesem Ort ist, dass man sich zur Ebbe Löcher in den Sand graben kann, die sich dann mit heißem Wasser füllen. Man hat damit dann also sein ganz privates heißes Bad. Naja, so privat wie es an einem Touri-Tipp halt sein kann. Das sieht dann so aus, dass eine Kuhle neben der nächsten gegraben wird und die Leute ganz rot im Kopf werden von dem heißen Wasser, während man draußen in seiner Fleecejacke zittert. Uns war ein bißchen zu viel los, um ein ganzes Bad zu nehmen, aber wir haben uns natürlich nicht die Möglichkeit entgehen lassen, mal mit den Füßen in fast kochend heißem Wasser zu stehen. Das ist einfach unglaublich faszinierend! Sogar direkt am Wasserrand wo die Brandung auf den Strand schlägt, dort kann man die heißen Stellen gut an kleinen Bläschen erkennen, die sich im Sand bilden. Das bedeutet nicht, dass das Wasser kocht, sondern das sind die Stellen, an denen das Gas aus dem Erdinnern nach oben hin entweicht. Dort ist es kaum auszuhalten, bis dann die nächste Welle mit eiskaltem Wasser kommt und einen wieder etwas abkühlen lässt. Wieder zurück am Auto haben sich die Fußsohlen fast so angefühlt, als hätten sie einen Sonnenbrand! Das hat uns dann doch echt überzeugt.

''Privates'' Bad am Hot Water Beach

Als wir uns wieder auf den Weg machten, fingen plötzlich die Stoßdämpfer wieder an zu protestieren. Wir sind also gleich zum nächsten Telefon, haben bei der Mietwagenfirma angerufen, und wurden gebeten, am nächsten Tag in einer Werkstatt vorbeizufahren. Okay, das kriegen wir hin! Jetzt aber erstmal Mittag! Als wir uns nach hinten setzen wollten um uns etwas zu essen zu machen, fiel uns als erstes fast die Mikrowelle entgegen, die leider nur noch spärlich von einer Schraube festgehalten wurde. Grrr. Der integrierte Esstisch war dann auch noch kaputt, sodass wir ihn nicht aufbauen konnten. Das hat uns dann doch den Rest gegeben. Wir haben ja bereits darüber hinweggesehen, dass unter anderem ein Außenspiegel nicht fixierbar war, das Licht in der Fahrerkabine nicht ging, der Wassertank tropfte und somit alles um ihn herum verschimmelt war und dass man ständig mehrere Anläufe brauchte um den Zündschlüssel umzudrehen oder abzuziehen. Aber so jetzt noch 3 Wochen weiterfahren und hoffen, dass es besser wird? Nein! Also haben wir wieder angerufen, Bescheid gesagt, dass wir noch heute das Auto zurücktauschen wollen und versuchen in einer Stunde - eigentlich schon nach Feierabend - da zu sein und sind zurück ins gut 100 km entfernte Auckland gedüst. Da hieß es mal schauen was das Ding hergibt... Dort angekommen haben wir dann unser 3. Fahrzeug bekommen. Als Entschuldigung für den ganzen Ärger mussten wir immerhin das alte nicht wieder auftanken und haben noch zwei extra Miettage drangehängt bekommen. Frei nach dem Motto ''Alle guten Dinge sind 3'' muss jetzt alles klappen!

WWOOFing in Auckland, Neuseeland [24.10. - 05.11.2012]

Samstag, 24.11.2012

Live-Aufnahme des Fluges mit Airbus A380

Nach doch ein wenig auslaugenden Wochen mit viel Fahrerei in Australien hatten wir uns entschlossen, die ersten beiden Wochen in Neuseeland zunächst einmal mit etwas weniger Tatendrang und Erlebnis-Durst anzugehen. Mal ein, zwei Wochen am Stück an einem Ort bleiben, nicht ständig weiter zu reisen aber einen geregelten Tagesablauf und dennoch genügend Freizeit haben und dazu wenn es geht auch noch Geld sparen. Also ein bisschen Urlaub vom Urlaub bzw. Reisen machen - das war unser Plan. Kurz gesagt: Wir wollten mal wieder ein wenig arbeiten! Folglich haben wir uns noch in Australien bei WWOOF (Willing Workers On Organic Farms) angemeldet. Das ist eine Organisation, die eine Plattform für Arbeitssuchende und Arbeitgeber auf der Basis Arbeit gegen Kost und Logis bietet. Das findet dementsprechend unendgeltlich statt und die groben Vorgaben sind, dass man ca. 6 Stunden am Tag an 5-6 Tagen die Woche arbeitet und dafür dann vom 'Arbeitgeber' verpflegt wird und eine Unterkunft bekommt (ein Zimmer im Haus, in einem Wohnwagen o.ä.). Wie der Name sagt, handelte es sich anfangs bei den Arbeitgebern eigentlich um ökologische Farmer, inzwischen gibt es aber eine ganze Bandbreite von Angeboten mit unterschiedlichsten Arbeiten. Die Gastgeber geben dann eben die 5 Mangobäume oder ähnliches an, die auf ihrem Grundstück stehen, um so ein bisschen als Farm daherzukommen. Wir hatten uns von Sydney aus also schon ein paar Profile angesehen und einen festen Platz für ca. zwei Wochen bei John in einem Vorort von Auckland bekommen. Beworben hatten wir uns bei ihm, weil er u.a. viele verschiedene Boote besitzt und wir beide Lust hatten, auf und an diesen zu arbeiten.

Als wir also nachmittags in Auckland gelandet sind, sind wir direkt zu seinem Haus gefahren. Dort angekommen wartete er schon auf uns und nach einer kurzen Begrüßung bekamen wir gleich unsere 1. anspruchsvolle Aufgabe: nämlich eine Tasche für 'ein paar Tage' zu packen, da wir einen längeren Ausflug mit einem seiner Boote machen sollten. Zwei andere WWOOFer warteten schon auf diesem und deswegen sollte es schnell gehen. So weit so gut, eigentlich wollten wir ja was malochen, so richtig schön stupide Arbeit wenn es ginge, mal ein bißchen abschalten und das bisher Erlebte verarbeiten! Aber nöö! Es ging schon wieder voran und wie konnten wir uns diese Gelegenheit auch entgehen lassen? Also sind wir nur kurz in unser bescheidenes Keller-Zimmer, haben ein paar Klamotten gepackt (wir wussten ja nicht mal wie das Wetter hier so ist!) und los ging es in die Marina. Dort haben wir dann Janine und Julien aus Deutschland kennengelernt, die bereits seit einer Woche für John arbeiteten. Bei dem Boot handelte es sich um eine Art Hausboot mit einem Doppelrumpf, sodass wir alle bequem Platz darauf hatten. Bereits beim Anlaufen unserer ersten Übernachtungsstation hatte John die ersten Angeln ausgeworfen, in der Hoffnung bereits ein paar Fische zu ergattern. Hat leider noch nicht geklappt, aber nach einer eisigen Nacht ging es am nächsten Morgen dann wieder ans Angeln - schließlich mussten wir nach einem vorherigen sehr spärlichen Einkauf von Proviant einen Großteil unserer Verpflegung selber fangen! Und diesmal zum Glück erfolgreich, sonst wäre bereits das Frühstück sehr bescheiden ausgefallen! Christian hat zwar schon einmal eine Angel in der Hand gehalten, aber für alle anderen war es totales Neuland und so hatte uns John erst einmal eine Einweisung ins Meeresfischen gegeben. Wir haben ziemlich schnell mehrere Rote Snapper gefangen, sodass es noch zum jetzt etwas verspäteten Frühstück (Säubern, Filetieren und Zubereiten des Meerestieres dauert ja auch noch) die erste Portion des frischesten von uns jemals verzehrten Fisches gab. So schmeckte sogar Janne der Fisch ;)

Erster Blick auf Auckland vom Boot aus Abend-Angel-Idylle Toter Ernst in der Küchenspüle. In weiteren Rollen: Walter, Hannes, Eduard und Fritz. Säubern und Filetieren vom Fachmann Da muss auch ein Fischkopf als Köder herhalten!

Gegen frühen Abend sind wir an Land gefahren um noch einen Spaziergang auf der Insel Waiheke (liegt direkt vor Auckland) zu machen und konnten wunderschöne Ausblicke über Insel, Meer und Stadt genießen - einfach einmalig! Nachdem wir am nächsten Tag noch einmal geangelt haben, hatte John beschlossen, doch noch einen Tag länger draußen zu bleiben und so konnten wir uns auch noch die ''Hauptstadt'' der Insel, Oneroa,  anschauen. Darrell, ein Freund von ihm, kam dann noch mit einem etwas schnittigeren Schiff vorbei, auf dem Christian dann mit den beiden eine weitere abendliche Angel-Session absolvierte. Janne hat derweil das Blog-Schreiben auf dem Sofa vorgezogen. Nachdem wir nun an diesen zwei Tagen fast durchgehend Snapper gegessen hatten und wir wirklich nicht mehr wussten, wie wir ihn noch auf variierende Art und Weise zubereiten sollten (gebraten in Butter, paniert in Cornflakes und auch Haferflocken hatten wir schon und weitere Möglichkeiten gab es einfach nicht an Bord!) gab es dann eine kleine Meuterei auf der 'Double-Happy' bezüglich des letzten Frühstücks, welche mit Cornflakes und Toastbrot als kleine Abwechslung aus der Küche endete. Alles in allem war es ein wirklich schöner Ausflug durch eine einmalige Insel-Welt und mal wieder mit neuen kulinarischen Genüssen!

Waiheke Island Schmetterlingsfisch? Auf jeden Fall zu schön zum Verspeisen! Burnout? Der Käpt'n hat eine Pause nötig. Oneroa Beach Von Surfbrettern zerschnittene Felsen :)

Janine und Julien zogen im Anschluss zu ihrer nächsten Arbeitsstelle weiter, für uns ging es jedoch erst richtig los! Es folgten 10 Tage Arbeit (mit einem freien Sonntag dazwischen), mit Frühstück um 7 Uhr und dann um die 6 Stunden arbeiten. Für Christian bestand die Arbeit fast durchgehend aus dem sehr zeitintensiven Abschleifen diverser Bootsteile (hauptsächlich per Hand). Nebenbei waren hier und da auch noch einige etwas interessantere und anspruchvollere Montage- und Ausbesserungsarbeiten (z.B. Konservieren von stark angegriffenen Holzteilen, Verkleben von Planken des Teakdecks oder Laminieren mit Fiberglas etc.) zu erledigen. Dies sollte anscheinend die Motivation für weitere Schleifarbeiten steigern, da er einfach zu sorgfältig arbeitete und John sich das natürlich nicht entgehen ließ! Christian konnte sich beim Anblick der sehr pflegebedürftigen alten Boote eine erstklassiger 1. Hilfe aber auch nicht verkneifen! Bei Janne hingegen entdeckte John das wohl gehegte Talent zum Aufräumen und Saubermachen und so folgten das Putzen und Aufräumen einiger Boote sowie nach ''bestandener Abnahme'' das Polieren eines Herdes und diverser Holzverkleidungen aus Mahagoni. Zur Abwechslung gab es für sie später dann sogar zwei Tage Unkraut jäten im genauso großen wie unübersichtlichen (weil am steilen Ufer des Fjordes 'Tamaki Strait' liegenden) heimischen Gartens! Hauptsächlich haben wir unsere Tage in der Marina der 'Half Moon Bay' verbracht, nach der Arbeit haben wir dort gegessen, geduscht und manchmal noch zusammen etwas unternommen. Zwischendurch sind zwei finnische Mädels noch für 5 Tage da gewesen und weil John Christian's Faible für's Segeln nicht entgangen war, waren wir an zwei aufeinanderfolgenden Abenden alle zusammen auf Törn. Der erste Nachmittag war als Testfahrt in der Nähe des Yachthafens angesetzt damit es am nächsten Tag zum (nicht mehr aktiven) Vulkan Rangitoto gehen konnte. Dieser liegt im klassischen Antlitz eines Vulkans als Insel ein ganzes Stück von der Marina entfernt vor dem Festland. Dort angekommen haben wir den Kraterberg dann auch bestiegen - quer durch mit einigen Büschen bewachsenen Lavalandschaft - und wurden mit einer tollen Aussicht Richtung Auckland und auf die umliegende Insellandschaft belohnt.

Eines der wiederzubelebenden Objekte Ist-Zustand In Arbeit Soll-Zustand Man beachte den offenen Motorblock auf dem Sofa Der Zahn der Zeit hat auch innen seine Spuren hinterlassen! Fertig, Meister! Segeltrip :) Im Hintergrund: der Vulkan Rangitoto schroffe Vulkanlandschaft Ausblick vom der Spitze Auckland mit Heiligenschein

Eigentlich war geplant, dass wir genau zwei Wochen bleiben und am Mittwoch abreisen, aber wir haben uns nach einigen Unstimmigkeiten und sehr speziellen Eigenheiten im Hause bereits am Montag dazu entschlossen. Warum? Die Arbeit war auf jeden Fall nicht das Problem! Eher Johns Persönlichkeit und Einstellung...

Wir sind beide definitiv sehr sparsam auf unseren Reisen und für westliche Verhältnisse wirklich nicht sehr anspruchsvoll - wir hatten ja auch schon einiges erlebt, aber hier waren selbst wir in mancher Hinsicht erst einmal überrascht um nicht zu sagen verwundert. Immerhin waren wir im Vorort einer höchst modernen Metropole gelandet - wie wir dachten! Um einen winzigen Eindruck zu vermitteln hier einige Impressionen aus dem täglichen Leben:

Trinkwasser für zu Hause wurde in alten 5L-Plastikkanistern in der Marina abgefüllt. Für die Toilettenspülung mussten wir mit einem großen Eimer das Wasser aus der Regentonne draußen im Garten holen. Kochen durfte man nur auf einem uralten Holzofen. Das klingt nostalgisch, ist aber nur unglaublich schweißtreibend, vor allem wenn der Ofen im Wohnzimmer steht und man für jede Zutat hin und her eilen muss! Und es dauert Stunden bis er überhaupt heiß wird - ist er wiederum heiß, kann man ihn nicht mehr nach unten regulieren. Heißes Wasser zum Spülen musste auf eben diesem Ofen erhitzt werden und heißes Wasser aus der Leitung (ebenfalls kein Trinkwasser!) gab es überhaupt nur, wenn der Ofen innerhalb der letzten 2-3 Tage angefeuert wurde. Und hierbei handelte es sich keineswegs um nicht vorhandene technischen Einrichtungen, das war alles vom Feinsten und bestens ausgestattet. Nur die Benutzung unsererseits war entweder stark eingeschränkt, abgewandelt oder nicht zugelassen. Trotzdem wurde erwartet, dass man bspw. ein vollwertiges Abendessen zubereiten vermochte. Zu Essen gab es fast ausschließlich Kartoffeln, Eier, Zwiebeln, Schinken, Käse und Toast oder welche Reste es noch im Schrank gab und zwar durchgehend zwei Wochen lang. Da war unser Improvisationvermögen gefragt. Was in den Tiefen der Küchenschränke verborgen war, war auch dem Hausbesitzer nicht bekannt. Es lag halt an uns, was man mit dem was wir im wahrsten Sinne des Wortes fanden, machen konnte - was uns zu Beginn noch Ansporn war! Für uns bis hierher alles nicht das geringste Problem.

Johns Bootsammlung...der Teil, der zu Hause liegt! Der Eingangsbereich zum Haus Im Haus war es ähnlich aufgeräumt! Im Garten

Alles in allem hatten wir leider gar nicht die erhoffte Zeit für uns zum Reflektieren und Revue passieren lassen, oder auch mal Zeit um nichts zu tun, weil wir anfangs die Unternehmungen mit John nicht absagen wollten und wir auch sonst immer sehr stark in den Tagesablauf eingebunden waren. Da sich eben so vieles als sehr kompliziert und zeitaufwendig heraussstellte, haben wir die Tage eigentlich von morgens früh bis abends spät durchgehend bei oder mit John verbracht. Privatsphäre (zumindest im Hause) fehl am Platz! Zu Beginn war es ja noch sehr interessant und auch amüsant sich miteinander zu unterhalten, aber nach einigen Tagen war dies leider nicht mehr durchweg gegeben.Wir hatten mehrere auf Granit stoßende Diskussionen miteinander, die wir jedoch auch nicht missen wollen. Allerdings dürfen beide Seiten bestimmte Grenzen nicht überschreiten, damit man sich auch in einem fremden Hause längere Zeit wohlfühlen kann. Dazu gehört, sich gegenseitig Luft und Freiraum zu lassen, vor allem einen Rückzugsort für die persönlichen Dinge zu gewährleisten. Wenn dann auch noch andere grundlegende Bedürfnisse wie beispielsweise Essen-Zubereitung oder auch einfach nur Wäsche waschen ein Problem werden dann muss man sich nunmal wieder trennen.

Zum Glück gibt es bei dieser Art von ''Arbeitsverhältnis auf Zeit'' keinen Vertrag und es ist so vorgesehen, dass beide Seiten dieses sofort und ohne Bedingungen beenden können. Man muss einfach nur weiterziehen. So endete unsere erste WWOOFing-Erfahrung ziemlich abrupt und wir gehen mit sehr zweigeteilten Gefühle hier heraus. Einerseits hatten wir viele einmalige und unvergessliche Erlebnisse, die wir sonst so bestimmt nie gehabt hätten. Andererseits aber geht man auch irgendwie frustriert, weil man sich einfach viel zu sehr über alles geärgert hat. Zumindest haben wir uns wacker geschlagen und unser Soll bestimmt mehr als erfüllt. Wir haben viel Geduld gehabt und sind trotz sehr unterschiedlicher Auffassungen von ''Geben und Nehmen'' immer wieder mit neuer Zuversicht an die Sache rangegangen. Aber wir wollen keine schmutzige Wäsche waschen ;) Wir sind irgendwie auch froh diese Erfahrung gemacht zu haben. Im Nachhinein werden wohl diese schönen Erinnerungen überwiegen und wir können dann über alles lachen!

Somit haben wir uns also mit gepackten Taschen zwei Tage vor dem ursprünglich geplanten Ende wieder verabschiedet und sind kurzfristig mit dem Bus ins Stadtzentrum von Auckland gefahren. Wir wussten zum Glück schon, wo wir ein Hostel in der City finden konnten, weil wir unseren freien Tag schon im Stadtzentrum verbracht hatten und so gab es zumindest hierbei keine Probleme. Ursprünglich wollten wir ja eigentlich erst ab Mittwoch mit einem Camper das weitere Land erkunden, aber jetzt mussten wir kurzfristig was suchen und festmachen. Viel war irgendwie nicht mehr zu bekommen, aber immerhin konnten wir schon am Dienstagnachmittag spontan einen Camper der Firma Lucky abholen. Also hieß es: Back on the road again!

Im Hafen von Auckland Im Hafen von Auckland Americas Cup 1982 Segeln heute Hafen-Unterhaltung Parkhaus für Boote Innenstadt Tja... Sky Tower Wir beide? Nicht zu vergessen: die Hobbit Garage!

Roadtrip Victoria - Melbourne, Australien [16.-24.10.2012]

Dienstag, 20.11.2012

Impressionen

Sternenhimmel: Der Milchstraße so nah! An noch keinem anderen Ort zuvor haben wir eine solche Menge an Sternen so klar und deutlich gesehen, wie an den ersten Tagen im richtigen Outback. Sogar die Milchstraße selbst, bei der man einzelne Sterne mit dem bloßen Auge nicht mehr erkennen kann und die als eine Art Nebel erscheint, zieht sich mittig über den Nachthimmel quer durch das Sternenmeer. Man kommt aus dem Staunen kaum heraus und denkt man hat was vor der Linse, sieht Wolken wo keine sein können oder dass man träumt.

Sonne wandert anders herum (linksrum): Kaum zu glauben, aber wahr. Man muss sich jeden Tag neu wieder selbst daran erinnern, wenn man sein Auto für die nächsten ein, zwei Stunden in den Schatten unter einen Baum stellen will. Falls man überhaupt einen Baum, der dieser Aufgabe gewachsen ist, findet...

Alle Flüsse ausgetrocknet/ Floodways: zum Ender der Trockenzeit sind in Australiens Landesinneren noch bis einige hundert Kilometer vor Cairns fast alle Flüsse total ausgetrocknet und/oder versandet. Ein sehr skuriles und denkwürdiges Bild, was sich einem darbietet. Dennoch trifft man an den Straßen an fast jeder Senke auf ein gelbes Schild mit der Aufschrift 'Floodway' - Überflutungswege. Zu dieser Zeit verwunderlich, zeugen diese Schilder davon, dass sich die gesamte Gegend zeitweise in ein riesiges Überschwemmungsgebiet verwandelt, wie man es sich aus den Nachrichten erfahrend immer kaum vorstellen kann. Viele dieser Senken sind dann mit einem normalen Auto schnell nicht mehr durchfahrbar, aber der tiefste Wasserstand wird mit einem Meterstab angezeigt. Brücken wurden an diesen unzähligen Floodways gar nicht erst gebaut und werden sie wohl auch nie! Warum jedoch viele Australier auf dem Trailer hinter ihrem Allrad-Vehikel ein Boot im Outback mit sich führen, ist nicht der Angst vor Hochwasser geschuldet, sondern hat einen anderen viel simpleren Grund, wie wir herausgefunden haben. Sie wollen nur des 'Aussies' liebsten Hobbies fröhnen: dem Fischen. Sie alle sind von oder zu einem der populären Fischgründe unterwegs die sich an Australiens Nordküste in vielen Buchten bieten. Na, ist doch logo!

Geplatzte Autoreifen, alte Karossen, tote Tiere (wilde sowie Nutztiere), Buschbrände: werden allesamt einfach sich selbst überlassen. Aber den Greifvögeln entlang der Straßen im Outback geht es dabei offensichtlich hervorragend!

 

Was sonst noch so geschah:

Nach erholsamen Tagen in Sydney hatten wir uns entschlossen, auch den Rest unserer Zeit in Australien nicht mehr so rasant anzugehen. Wir 'mussten' aber ja noch weiter nach Melbourne, da von dort aus unser Weiterflug nach Neuseeland gehen sollte. So sind wir ein bißchen durch den Bundesstaat Victoria gefahren und haben nach einer Nacht in Sale einen sehr schönen Stop am nahe gelegenen Ninety Mile Beach gemacht. Dort gab es entlang des ewig langen Strandes unzählige kleine kostenlose Campingplätze direkt hinter der Düne. Obwohl wir nur ca. 24 Stunden dort waren, kam es uns so vor wie mindestens 3 Tage Urlaub! Im Windschatten und der Sonne war es wunderbar warm und am Strand sind wir ordentlich durchgepustet worden, sodass wir uns sehr an Norderney erinnert gefühlt haben :) Allerdings konnten wir hier in einiger Entfernung wieder einige Buckewale springen sehen, das ist uns auf Norderney noch nicht passiert! Während eines Marsches am Strand haben wir hier viele schöne und teilweise besonders große Muscheln gefunden und viele weitere Meeresschätze aus Holz, Korallen und kleinen Lebewesen. Die meisten haben wir natürlich an Ort und Stelle belassen, nur einige wenige der kleinen Muscheln sind dann doch als Souvenir ins Reisegepäck gewandert!

Sie haben Post! Etwas für die Kleinen Steife Briese am Ninety Mile Beach Alien-Kokon? Stillleben Zauberwald

Dann ging es wieder durch grüne Landschaft und über Landstraßen noch ein bißchen weiter in den Süden in den winzigen Ort Toora. Auf dem Weg dorthin mussten wir jedoch noch kurz eine kleine Schildkröte von der Straße retten - die Arme war leider schon etwas lädiert von den Kühen auf den Feldern ringsum. Sie saß mitten auf der Straße und sah von weitem aus wie eine dunkelgrüne Tellermine, aber immerhin konnten wir sie (kurzfristig) vor den Autos bewahren - oder umgekehrt? Man weiß es nicht genau! In Toora selbst gab es eigentlich nichts großartig zu sehen, was irgendwie auch der Grund für unseren Stop hier war. Einfach nur wiesenbedeckte grüne Hügel mit ein paar Tieren darauf und in der Nähe das Meer, das reicht um sich wohl zu fühlen.  Kurz nach unserer Ankunft hat uns die lustige Langzeitcamperin Lita aus Neuseeland erstmal 'in Empfang genommen' und uns prompt ihr zutrauliches Galloway-Rind gezeigt, welches sie auf einer angrenzenden Wiese hinter dem Campingplatz hält. Lita trägt ein Cappy auf welches sie Augen aufgemalt hat, damit die Vögel sie nicht angreifen, dazu Leopardenleggings und dazwischen ebenfalls irgendwelche mehr oder minder farblich abgestimmten aber zumindest schrägen Klamotten. In Toora 'Downtown' gab es für uns noch sehr leckeren Kaffee und deutsch-dänisches Gebäck in einem kleinen von deutschen Auswanderern geführten Café mit angeschlossenem etwas verstaubten und zugestellten 'Antiquitätenladen' sowie einer kleinen Kunstausstellung einheimischer Künstler. Da hat der Kuchen natürlich nochmal so gut geschmeckt.

Tellermine! Alle in Deckung! Guckst du?! Keine Panik! Nettung raht! Hier ist sie besser aufgehoben! Milchbar :) Brigitte Badot (Lita meinte, sie hat den gleichen Pony) Gute Aussicht über Toora Wir haben mal nach einem Kredit für ein Haus gefragt... Angestaubte Ikonen im Antiquitätenladen

Nach noch einmal läppischen 200 Kilometern Fahrt haben wir dann unseren Miet-Camper in Melbourne abgegeben und sind für die letzten beiden Nächte in ein Hostel mitten in der Stadt gezogen. So hatten wir dann auch noch anderthalb Tage Zeit die Stadt näher zu erkunden, die uns wieder einmal sehr gefallen hat. Vor allem die altertümliche Straßenbahn war sehr niedlich, mit der man im Kreis rings um das Stadtzentrum fahren konnte. Auch sonst waren wir hier von der Mischung aus moderner Hafen-City und mehr oder weniger historischen Bauten positiv beeindruckt, auch wenn für unseren Geschmack eine reine Fußgängerzone fehlte, aber das hat sich in Australien generell bisher kaum durchgesetzt. Durch Zufall sind wir dann sogar noch in den Genuss zweier kultureller Veranstaltungen gekommen. Wir hatten am 'Federal Square' der Stadt auf den dort verteilten Liegestühlen gesessen, um die letzten Sonnenstrahlen zu genießen und als Christian die Gegend etwas erkundete, hörte er auf einmal Musik aus einem der modernen, öffentlich zugänglichen Gebäude. Dort hatte eine Musikschule ein Chor-Konzert mit Darbietungen verschiedener Altersklassen und von Klassik bis Pop organisiert, das wir uns dann noch angehört haben. Am nächsten Abend fand am selben Ort eine spektakuläre Tanzshow von Einwohnern Französisch-Polynesiens statt, die mit den rassigen Tänzern in exotischen Kostümen eine gelungene Abwechslung bot.

Flubber!!! Bücherei Schweinehund Federal Square Hafencity Kunst? Oder kann das weg? Victoria Market Ihr könnt nach Hause fahr'n...! Noch mehr Kunst? Blogeintrag in 'Echtzeit' Kultur Was ist echt und was ist Photoshop? Irish Pub ...mit Livemusik

Nach einem abschließenden leckerem Essen in einem Irish Pub (ganz traditionell also :)) ging somit unsere 6-wöchige Australienreise zu Ende.

Wir sind durch 4 Bundesstaaten (Northern Territory, Queensland, New South Wales und Victoria) und 3 Zeitzonen in (hauptsächlich) 2 verschiedenen Campern gereist und haben insgesamt unglaubliche 10.603 Kilometer zurückgelegt - o.k. davon 170 km am Haken eines Abschleppwagens und ca. 300 km mit einem Ersatz-Campingbus. Wenn man dafür mal eine Durchschnittsgeschwindigkeit von 80 km/h annehmen würde (die wir zu bestimmten Streckenabschnitten nicht annähernd einhalten konnten), dann haben wir allein 132,5 Stunden hinterm Steuer verbracht, also mal eben gute 3 Arbeitswochen! Von Wüste bis Grasland, Berge bis Meer, Stadt und 1-Seelen-Dorf haben wir hier eine breite Reihe unterschiedlichster Landschaften gesehen, haben über die Einstellung der Einwohner gegenüber Buschbränden und Überschwemmungen gestaunt und sind auf unserem Weg Kängurus, Emus, Koalas, diversen Echsen und Vögeln, Dingos, Schildkröten, Delfinen und Walen begegnet. Vor allem die langen Strecken im Outback sind sehr kräftezehrend gewesen und allgemein war das Reisen in Australien nicht weniger anstrengend als in Asien. Das ist aber u.a. auch darauf zurückzuführen, dass wir immer sehr auf die Preise geachtet haben, die hier wieder ein westliches Niveau hatten - entspannter ist es natürlich, einfach den Campingplatz anzusteuern, der als nächstes kommt. Oft haben wir uns auch einfach mit dem (von uns hochgeschätzten) Angebot eines freien Stellplatzes direkt am Highway begnügt. Aber wenn wir im Nachhinein die Bilder betrachten, ist es schon wieder unglaublich, was wir so alles gesehen und erlebt haben. 6 Wochen scheinen eine lange Zeit zu sein, aber in einem so unglaublich riesigen Land vergeht sie wie im Fluge - und wir haben immer noch nur einen kleinen Teil dieses Landes gesehen! Als Europäer kann man sich die Dimensionen einfach nicht vorstellen, aber schon nach 1 Woche sagt man: 'Nur noch gut 100km bis zum Ziel' - 'Super, dann sind wir ja gleich da!'. Alles Gesehene und Erlebte können wir jetzt erst mit ein paar Wochen Abstand anfangen zu verarbeiten und so richtig zum Abschluss bringen wird man es wohl erst wenn wir wieder in Deutschland sitzen und das Best-Of fürs Fotoalbum aussuchen!

 

Roadtrip New South Wales - Sydney, Australien [10.-16.10.2012]

Sonntag, 11.11.2012

Der Springbroke National Park liegt direkt an der Grenze zum nächsten Bundesstaat New South Wales (NSW), sodass wir am Tag nach unserem Glühwürmchen-Erlebnis direkt über die Grenze springen konnten. Hier mussten wir uns wieder auf eine neue Uhrzeit einstellen, da die beiden Staaten NSW und Victoria wie Deutschland die Umstellung auf die Sommerzeit haben (Daylight Saving). Der nächste Stop war Byron Bay, der östlichste Punkt Australiens. Diesen Ort haben wir uns nicht entgehen lassen, weil hier ein schöner weißer Leuchtturm steht und eine ordentliche Brandung an die Klippen schlägt. Obwohl die Strände hier ebenfalls sehr schön waren, war uns der Ort zu sehr mit Touristen beölkert und wir haben uns wieder auf ins Landesinnere Richtung New England gemacht. Wir hatten eigentlich geplant dort mal ein paar Tage Pause zu machen, aber es hat ganz England-like den ganzen Tag geregnet und nachts ist die Temperatur auf 0° gefallen, was im Auto definitiv zu kalt war. Tagestemperaturen von bis zu 8°C konnten uns nicht wieder aufwärmen und so haben wir uns bei Schneegriesel wieder auf den Weg gemacht. Die Landschaft war sehr schön mit Hügeln und saftigen Wiesen und Wäldern und die Städte haben uns auch sehr an England erinnert, da wir hier endlich mal Backsteinbauten anstelle der ganzen amerikanischen Holzhäuser im Norden zu Gesicht bekamen. Nur leider konnten wir sie nicht so richtig genießen, weil es die ganze Zeit durchgehend geregnet hat. Wir haben uns gefühlt wie in einem englischen Winter. Also haben wir diesen Teil Australiens verlassen und sind schon etwas früher als geplant nach Sydney gefahren.

Shoppen! Das Angebot heute New South Wales Idylle Selbsterklärend Byron Bay Strand Leuchtturm Wirklich der östlichste Punkt Australiens?

In Sydney konnten wir vorübergehend in der Wohnung von unseren Freunden Kai und Dulce wohnen, die 'leider' genau zu diesem Zeitpunkt in Deutschland waren, um dort ihre Hochzeit zu feiern. Für uns war es natürlich super schade, die beiden nicht zu treffen (so häufig klappt das ja nicht, bei der Entfernung), aber sie haben es trotzdem möglich gemacht, dass wir zumindest ein paar Tage in die Wohnung konnten. Wir haben die Zeit dann auch genutzt uns auszuruhen, mit unseren Familien zu skypen, den Blog upzudaten und weitere Pläne zu schmieden. Sightseeing durfte in dieser Stadt natürlich auch nicht fehlen und so haben wir uns auf einem schönen Spaziergang inklusive Fährfahrt natürlich die Harbour Bridge und die Oper angesehen und sind durch verschiedene Stadtteile Sydneys gelaufen. Überhaupt waren wir fast ausschließlich zu Fuß unterwegs und haben so einen Großteil der Innenstadt per pedes erkundet, was hier sehr gut funktioniert. Sydney hat uns mit all den alten Gebäuden, den gemütlichen Stadtteilen und den ausgedehnten Hafengebieten wirklich sehr gut gefallen. Zu diesem wunderbar erholsamen Aufenthalt lassen wir dann mal ein paar Bilder sprechen!

Sydney am Hafen Fischmarkt Auch irgendwie ein bißchen wie Hamburg! Harbour Bridge & Opera House Brückenkonstruktion :) Ein bisschen gefaked, aber das Datum stimmt!

Roadtrip Sippy Downs - Springbroke National Park, Australien [07.-09.10.2012]

Sonntag, 11.11.2012

Kaum wieder an Land nach unserem Wal-Ausflug ging es wieder weiter in Richtung Brisbane. Ein weiterer Stop war zuvor jedoch noch in Sippy Downs angesagt, wo Freunde von Jannes Großeltern leben. Karin und Holger sind vor 40 Jahren von Schleswig-Holstein nach Australien ausgewandert, haben erst in Südaustralien gelebt und wohnen jetzt seit 12 Jahren etwas nördlich von Brisbane. Persönlich kannten wir die beiden noch nicht, aber vor unserem Reisestart hatten wir zumindest schon einmal telefoniert und angekündigt, dass wir auf jeden Fall vorbeischauen würden. So haben wir dann einen schönen entspannten und höchst interessanten Tag mit den beiden verbracht und haben uns erst nach einem ausgiebigen Frühstück am nächsten Tag wieder verabschiedet. Wir haben uns sehr viel zu erzählen gehabt, weil wir schon gerne wissen wollten, wie das Auswandern vor 40 Jahren so ablief und auch wie sich das Leben in Australien seitdem verändert hat. Und natürlich haben wir unsererseits von Deutschland berichtet.

Kein Stau, keine Hektik... Pelikan! Holger & Karin (in der Mitte)

Nach diesem Ausflug in die Geschichte ging es dann schließlich nach Brisbane. Hier sind wir für ein paar Stunden spazieren gegangen und haben uns das Stadtzentrum angesehen. Das Wetter war leider nicht das schönste und da unsere Parkzeit ablief, wurde der Ausflug nicht allzu lang. Die Parksituation in Brisbane ist nicht gerade toll und wir hatten wirklich Probleme überhaupt einen Parkplatz zu finden, auf dem man länger als 1 Stunde stehen konnte. Die Stadt ist allerdings sehr nett, mit einem Mix sowohl aus historischen und modernen Gebäuden als auch den zeitlich entprechenden Outfits, wie wir feststellen konnten als wir an einem Gericht vorbeigelaufen sind. Hier haben wir eine Reihe älterer Herren in Richterrobe getroffen, die sogar noch die altertümlichen Perücken trugen. Zur Mittagpause sah das dann aus als trüge ein jeder der Richter eine Art Skalp in der Hand spazieren - zum Glück war es nur der eigene und nicht der des Verurteilten! :) Für uns definitiv ein Highlight dieser Stadt (siehe Fotos).

Brückenbaukunst Der Skalp des Verurteilten... Das historische Vorbild Viel zu tun! Architektur Das Weltumsegelungsboot - ein Traum in pink

Darauf folgte jedoch noch ein weiteres Highlight in Daisy Hill, ein Stückchen südlich von Brisbane. Hier gibt es eine Art Koala Auffang- und Informationszentrum in dem wir zwei dieser putzigen Tierchen ganz aus der Nähe betrachten konnten und zudem noch eine Menge Informationen bekommen haben. An diesem Ort werden bspw. in Gärten und sonstigen zivilen Anlagen gefundene oder auch erkrankte Tiere wieder aufgepäppelt. Eine Besonderheit von Koalas ist, dass ihr Beutel mit der Öffnung nach unten zeigt (evolutionäres Zwischending zwischen Säuge- und Beuteltier), dass zwei Finger zu einem breiten zusammengewachsen sind und dass sie bestimmte Sorten von Eukalyptus als Nahrung bevorzugen. Außerdem haben sie sehr lange scharfe sowie spitze Krallen und eine Art harte Kappen-Nase. Diese etwas trägen, aber sehr drollig wirkenden Tiere wollten wir ja auf jeden Fall gesehen haben wenn wir schonmal in Australien sind! Und da wir uns nicht sicher waren, ob wir sie in freier Wildbahn auch nochmal zu Gesicht bekommen, haben wir uns diese Chance nicht entgehen lassen. In den Zoo gehen wollten wir nicht und diese Pflegestation liegt ein bißchen abgelegen, sodass man nur mit Auto dorthin kommt und wir and diesem Tag auch fast die einzigen Besucher dort waren.

Guckguck!

Am gleichen Abend sind wir noch weiter in den relativ hoch gelegenen Springbroke National Park gefahren, zugegeben ein weiterer Tip der Mädels vom Segeltrip. Schon die Fahrt die Berge hinauf durch die enge Straße und die schmalen Kurven entlang der steilen Hänge war ein Erlebnis! An einem staatlichen aber gebührenpflichtigen Campingplatz angekommen, mussten wir feststellen, dass man hier einen Stellplatz telefonisch oder per Internet buchen muss bevor man ihn belegt. Diese Info stand leider nicht in unserem Campingführer und unser Guthaben auf dem Handy war bereits fast erschöpft. Da wir die sehr hoch angesetzten Strafen fürs Wildcampen natürlich nicht riskieren wollten, sind wir erstmal im Stockdunkeln zur nächsten (und weit und breit einzigen!) Telefonzelle gefahren, um das ganze telefonisch vorzunehmen. Nach gut 5 Minuten in der Warteschleife wurde uns dann erzählt, dass das Buchungssystem nicht funktioniert und die Dame uns nicht helfen kann. Und die Lösung? Wir sollten uns einfach einen Platz suchen und wenn ein Ranger (Nationalparkaufseher) kommt, hätten wir Pech gehabt. Na danke! Zum Glück kam gleich darauf die Besitzerin des örtlichen Supermärktchens (in Deutschland eher ein Tante-Emma-Laden) um die Ecke und meinte nur, die von der Regierung hätten einen Knall und wenn ein Ranger käme, sollten wir sagen, er solle sich an sie wenden. Okay! So geht das hier also! Zurück auf dem Platz hat ein anderes Paar dann noch versucht für uns online zu buchen (es lebe das Smartphone), aber auch das hat nicht funktioniert. Also haben wir letztlich einfach 'schwarz' dort übernachtet. Ein Ranger ist aber zum Glück nicht gekommen, also gab es auch keine Probleme mehr am nächsten Tag. So sind uns anstelle von Dollar 'nur' ein paar Stunden unserer Zeit abhanden gekommen, in denen wir vergeblich versucht hatten ganz ehrlich für unsere Übernachtung zu zahlen.

Am kommenden Tag haben wir dann eine wunderschöne Wanderung im Nationalpark unternommen, durch einen unsagbar alten Wald und sowohl ober- als auch unterhalb einer senkrechten Felswand. Dabei ging es u.a. hinter zwei Wasserfällen durch, die zwar zwar nicht riesig, aber trotzdem ziemlich nass und sehr beeindruckend waren! Das war für uns sehr erholsam und wir kamen uns die ganze Zeit wie in einer Art Märchenwald vor, was seinen abschließenden Höhepunkt am späten Abend erreichen sollte! Es gibt nämlich auf der anderen Seite des Tales eine Höhle, in deren Inneren ein weiterer Wasserfall hinabfällt und dort schalten bei Dunkelheit an den Wänden und an der Decke tausende Glühwürmchen ihre Lichter an. Wir sind im Hellen dorthin gegangen um zu beobachten, wie ein Würmchen nach dem anderen anfängt zu leuchten, das war wirklich magisch! Wir sind eine ganze zeitlang alleine dort gewesen, was die Situation mit dem herunterdonnernden Wasser und den überall erscheinenden Lichtern fast unwirklich gemacht hat. Und es war eine ganz neue Erfahrung so ein Naturwunder auf unseren Reisen mal ganz ohne andere Touristen zu erleben. Wer hier vorbeikommt, sollte sich das Spektakel nicht entgehen lassen! Im Nachhinein war es super, dass wir so früh dort waren, da nach kurzer Zeit im stockfinstern auf einmal eine starke Taschenlampe in die Höhle leuchtete. Nicht gut! Wenn Glühwürmchen angeleuchtet werden, hören sie für ca. eine Stunde auf zu leuchten und fressen in der Zeit auch nicht. Christian ist dann schnell zum Eingang der Höhle gelaufen um den Leuten zu sagen, dass sie das Licht ausmachen sollen. Dort stand eine kleine Gruppe Chinesen, die noch gar nicht verstanden hatten, dass sie die Glühwürmchenhöhle bereits erreicht haben und dass man diese nicht mit Licht bestrahlen sollte (obwohl überall Hinweisschilder stehen). Leider haben sie auch in der Höhle mit ihren iPhones und Taschenlampen herumgeleuchtet. Das war es also mit der Idylle! Verwundert hat uns vor allem, als dann auch noch einer der Chinesen versucht hat, die Glühwürmchen mit Blitzlicht zu fotografieren. Da kann man doch immer wieder nur den Kopf schütteln. Wir haben abgewartet bis der Trupp wieder abgewandert sind und dem Trupp noch gut 5 Minuten Vorsprung gegeben, bevor wir uns wieder auf dem Weg zum Auto gemacht haben.

Draußen im Wald haben wir dann noch mehr Glühwürmchen gesehen und ab diesem Moment haben wir uns nicht mehr darüber gewundert, dass die Leute früher an Elfen und Feen geglaubt haben!

Dickes Ding Hinter'm Wasserfall Vor'm Wasserfall Unter'm Wasserfall Schöne Aussicht 3 Arctic Trees (uralte Bäume, Überbleibsel aus kälteren Zeiten) 'Best of all Lookout' - Blick rüber nach New South Wales Alm-Idylle Glühwürmchen-Höhle mit Wasserfall

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